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Die Fußsohlen brennen

02.07.2012 | 6 Kommentare

28. Juni 2012
Der heutige Tag begann mit einem tollen Frühstück – Jean Louis und seine Frau machen es möglich. Die zwei waren selber einmal auf dem Jakobsweg unterwegs und wissen ganz genau was das Pilgerherz begehrt. Ihre Gastfreundschaft ist bemerkenswert, ebenso ihr Einfühlungsvermögen. Ich dachte gleich an meine Seminare für Mitarbeiter/innen im Verkauf und Führungspersonen: Ist nicht Einfühlungsvermögen genau jene Gabe, die wir im beruflichen Alltag, im Verkauf und in der Mitarbeiterführung so dringend benötigen? Doch, denn in Kunden- und Mitarbeitergesprächen ist aktives Zuhören, die Fähigkeit auf die Stärken und Schwächen jeder/jedes einzelnen Mitarbeiterin/Mitarbeiters einzugehen und diese überhaupt zu erkennen, absolut wichtig.
Zurück aber zu unserem Gastgeberpaar: Sie verwöhnten uns bereits am Vorabend mit einem köstlichen 4-Gang-Menü inklusive Aperitif und Digestiv. Und das Ganze für 8 Euro. Auch außergewöhnlich: Jean Louis malt den Pilgern seinen „Stempel“ höchstpersönlich in den Pilgerpass. Seine Frau Lucette machte uns die Wäsche, natürlich kostenlos.

Vom Frühstück gestärkt ging es dann heute los: Der Weg führte uns insgesamt 29 Kilometer bei heißen 32 Grad von Le Villeret d’ Apchier bis Les Estrets. Wir trafen auf einen Mountainbike-Pilger, der mir vom Camino Norte (Küstenweg) vorschwärmte. Er meinte, dass dieser Abschnitt des Jakobswegs landschaftlich, kulinarisch und auch preislich ein Traum sei – ich darf also gespannt sein, die Vorfreude auf den Camino Norte steigt!


Herbergsvater Jean-Louis

29. Juni 2012
Heute liefen wir den ersten 30iger: 33,5 Kilometer ging es vom Margeride-Bergland in das Aubrac-Hochland. In dieser Gegend ist Schluss mit Ackerbau, die Landschaft ist bekannt für die Aubrac-Rinder. Die Sonne brannte heute erbarmungslos auf uns herunter – zum Glück wehte ein leichter Wind. Leider machen mir meine Füße die ersten Probleme. Die Fußsohlen brennen – das kenn ich schon aus den zwei Jahren zuvor. Es sind die ersten Anzeichen für eine Blasenbildung am Vorfußballen. Schauen wir mal, wie sich das entwickelt, ändern kann ich es leider eh nicht! Morgen wartet schon der nächste Marsch über 30 Kilometer auf uns.

Aubrac-Hochland


Aubrac-Bulle

30. Juni 2012
Der Himmel heute war beim Abmarsch um 6 Uhr bedeckt, es ging weitere 31,5 Kilometer durch das Aubrac-Hochland. Kurz nach Saint-Chély-d’Aubrac überquerten wir eine Pilgerbrücke aus Kalksandstein, welche ebenfalls zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Wer Weg heute war generell sehr anstrengend, obwohl es viel bergab ging. Ich gehe viel lieber bergauf, abwärts gehen behagt mir nicht so. Gestern hab ich mal vorsorglich meine Füße „behandelt“ und meine Beine eingetaped, denn ich neige zu Schienbeinentzündungen. Gegen mein „Fußballenbrennen“ habe ich dicke Wundkissen am Fuß befestigt. Ob es geholfen hat? Ich bin zumindest gut in Saint Come angekommen. Unsere Herberge ist in einem Gebäude aus dem 16. Jahrhundert – Cecile, eine französische Pilgerin, war so freundlich unsere Quartiere für die nächsten zwei Tage zu reservieren – leider muss man das in Frankreich. Morgen geht es dann weiter nach Golinhac.

Saint Come

1. Juli 2012
Der gestrige Abend war sehr gemütlich. Wir aßen mit drei französischen Pilgern – Cecile, Marion und Mathieu – im Restaurant Le Plein ein vorzügliches Beef Tartare und gingen dann wie immer früh zu Bett. Mensch, haben wir gut geschlafen! Abmarsch daher heute erst um 6:17 Uhr. Es ging gleich steil bergauf nach Espalion, mit der wunderschönen Brücke Pont Vieux. Mittags erreichten wird Estaing – dort war das ganze Dorf auf den Beinen. Jeden ersten Sonntag im Juli findet dort das Fest des heiligen Fleuret, dem Patron der Kirche, statt. Alle Bewohner des Dorfes schlüpfen an diesem Tag in historische Kostüme und veranstalten eine Prozession.  
Mir persönlich geht es heute sehr gut – meine Fußsohlen scheinen sich zu erholen, dafür zwickt die linke Wade. Morgen geht es weiter nach Noailhac.

Pont Vieux


Prozession zur Ehren des hl. Fleuret

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6 Kommentare

  1. Klangzauber

    Hallo Ihr Zwei,
    wow , ihr macht ja Kilometer und legt ein gewaltiges Tempo vor.
    Das kostet viel Energie und dennoch eure Entschlossenheit macht dies wieder zu einer ausgeglichenen Sache.Deine Mama mit 71 Jahren beweißt einmal mehr, dass Menschen mit Zielen und Visionen ausgewöhnliches zu leisten im Stande sind,ohne natürlich auch deine Leistung schmälern zu wollen.
    Wenn uns zu heiß war haben wir immer gesungen. Ein selbst komponiertes Lied . Es war wie ein Mandra.
    “Wind Wind du himmlisches Kind blase blase
    Wind Wind du himmlisches Kind blase blase”

    Dadurch ging es bis ins Universum und es begann dann meistens fein zu winden :-)

    Viel Ausdauer Energie und Liebe weiterhin…..
    Klangzauber

  2. Matthias

    Hallo Peter,
    du hast es geschafft!

    1. Bericht auf VOL = CERN Forschungsinstitut
    2. Bericht auf VOL = Peter´s brennende Fußsohlen

    Gratulation! ;-)))

    Ich wünsch dir noch viele schöne Fußmärsche!

    Gruß aus Schlins
    Matthias (S)trezek :-)

  3. Claudia Sieber-Bilgeri

    Etwas überheblich die Worte von Hr. Mayr.

    (Ist nicht Einfühlungsvermögen genau jene Gabe die wir im Alltag, im Verkauf und in der Mitarbeiterführung so dringend benötigen?)

    Bei einem Vorstellungsgespräch bei Hr.Mayr mußte ich ganz andere Erfahrungen machen. Ich denke, Hr.Mayr muß den Jakobsweg noch öfters machen, damit er seinen Aussagen gerecht wird.

    Als Spezialist würde ich ihn nicht bezeichnen, sondern höchstens als arrogant und überheblich (gibt keinen Grund dazu).

  4. Peter Mayr

    Hallo Klangzauber,

    danke für die Wünsche. Es geht in der Tat schnell voran - in den ersten 14 Tagen haben wir schon 375 Kilometer zurückgelegt!

    LG Peter

  5. Peter Mayr

    Danke, Matthias!
    Vielleicht schaff ich es ja noch auf Platz eins ;).
    Es folgen noch viele weiter Fußmärsche. 1.700 weitere Kilometer wollen noch erpilgert werden.

  6. Peter Mayr

    Danke Frau Sieber-Bilgeri für Ihren Eintrag.
    Ich stehe absolut zu meiner Aussage betreffend Einfühlungsvermögen. Mir ist aber vollkommen bewusst, dass auch ich nicht fehlerfrei durchs Leben gehe. Ich versuche tagtäglich meiner Verantwortung als Trainer, als Unternehmer und als Führungsperson gerecht zu werden. Sollte mir das einmal nicht gelingen, so bitte ich Sie Frau Sieber-Bilgeri, mir das zu entschuldigen. Ich hoffe für mich, dass ich den Jakobsweg noch oft gehen darf, man lernt jedes Mal aufs Neue etwas dazu.

    Liebe Grüße,

    Peter Mayr

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