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375 Kilometer in den ersten 14 Tagen!

09.07.2012 | 4 Kommentare

5. Juli 2012
Als wir heute um 6:23 Uhr losmarschierten setzte pünktlich der Regen ein, also Rucksack runter und rein in die Regenkluft. Kurz darauf bekamen meine Mutter und ich den ersten Dolmen zu Gesicht. Dolmen sind alte Grabkammern aus aufrechtstehenden, großen Steinen und mindestens einem Deckstein, Den, den wir gesehen haben, war leider schon total verfallen. Ich war enttäuscht, hätte ich mir doch mehr Dolmen am Weg erwartet. 
Weiter ging es nach Cajarc, die Metropole für französischen Safran. Überall entlang der Strecke fanden sich Hinweisschilder für Verkaufsstellen. Danach ging es 18 Kilometer weiter nach Limogne en Quercy. Dieser Streckenteil hatte es in sich – landschaftlich zwar schön, aber kaum Abwechslung. Es ging durch Eichenwälder, ich kann fast sagen durch ein Eichenlabyrinth, das kein Ende nahm. Ich musste sehr mit meiner Motivation kämpfen. Einziges Highlight auf dem Weg: ein wunderschöner Hirschkäfer. Nach 4, 5 Stunden Eichenlabyrinth erreichten wir unsere Herberge in Limogne en Quercy – Etappenziel erreicht, hurra! Hoffentlich geht es morgen besser, aber auch dieser Streckenabschnitt wollte auf dem Gesamtweg nach Santiago erpilgert werden. Es ist eben wie im Berufsleben – auch dort müssen wir manchmal Aufgaben verrichten, die wir nicht immer gerne tun, uns aber weiterbringen.
Morgen geht es weiter nach Le Pech. Zum ersten Mal können wir nicht dort schlafen, wo wir eigentlich wollten. Die Herberge war schon ausgebucht.

Wegen dem Regen in Signalfarben unterwegs.


Hirschkäfer

6. Juli 2012
Der heutige Tag war eindeutig besser – er begann schon bei schönem Wetter mit Sonnenschein und Zuckerwattewolken. Wir starteten um 6:30 Uhr, ich leider mit Schwierigkeiten. Ich kam fast nicht in meinen linken Schuh, weil mein linker großer Zehenballen stark geschwollen war. Zum Glück schmerzte es nur die ersten zwei Stunden, danach lief es wieder wie geschmiert. Die kleinen Wehwehchen gehören auf dem Weg einfach dazu. Heute ging es zwar wieder durch Eichenwälder, aber immerhin gab es zwischendurch wunderbare Ausblicke.
Unsere für heute geplante Herberge in Le Pech war ja schon ausgebucht – ich frag mich nur von wem?! Denn heuer treffen wir auf ganz wenige Pilger, auch die Herbergsbesitzer bestätigen dies. Es sind zwar immer wieder „Kurzwanderer“ unterwegs, aber kaum Pilger. Die Landschaft in Frankreich ist sicher einmalig, aber der Spirit des Jakobswegs findet und spürt man so nur in Spanien. Ich freue mich auf die weiteren Wochen durch Frankreich, bin aber schon gespannt auf den Camino Norte. 
Morgen geht es weiter nach Les Mathieux – das sind nur 19 Kilometer, quasi ein Spaziergang.

Sonnenaufgang hinter Limogne en Quercy

7. Juli 2012
Von meinem Gemüt her, war es heute ein Apriltag, aber das begann schon am gestrigen Abend. Mein iPhone streikte – ich hatte plötzlich kein Netz mehr und auch Funktion ein Netz auszuwählen, fehlte gänzlich. Es wird mir doch mein Telefonanbieter nicht aus Kulanz den Vertrag vorzeitig beendet haben? Auf dem Jakobsweg ist das Telefon ein wichtiges Utensil: Ich kann mich mit meiner Mutter zusammentelefonieren und einen Treffpunkt ausmachen bzw. auch mit anderen Pilgern. Mit diesem flauen Gefühl und dem nichtfunktionierenden Handy brach ich heute auf Richtung Cahors. Cahors war dann Balsam für die Seele – ein richtig schönes Städtchen. In einem Cafe instruierte ich dann mit Mutters Handy meinen Bruder zu Hause, was er bezüglich meinem iPhone bitte tun sollte. Keine zwei Stunden später funktionierte mein Telefon wieder!
Kurz nach 13 Uhr verließen meine Mutter und ich dann Cahors über die berühmte Valentrébrücke, die UNESCO Weltkulturerbe ist. Sie wurde im 14. Jahrhundert erbaut und ist eine der besten erhaltenen Brücken aus dem Mittelalter. Gleich nach der Brücke ging es steil bergauf, oben angekommen hatten wir nochmal einen tollen Ausblick auf Cahors. Die letzten 5 Kilometer zu unserer wunderschönen Herberge in Les Mathieux waren anstrengend, weil brütend heiß. Aber die Herberge hat einen Swimmingpool, den hab ich bereits getestet.

Hochebene von Cahors


Markttag in Cahors

8. Juli 2012
Heute bin ich 14 Tage weg von zu Hause. 13 Gehtage haben ich und meine Mutter hinter uns gebracht, in denen wir 375 Kilometer mit insgesamt 8.509 Höhenmetern und 8.941m Abstieg absolvierten – und es macht immer noch Spaß wie am ersten Tag!
Mein linkes Auge hat sich auch wieder erholt und meine Füße benehmen sich wie am ersten Tag. Das ist doch mal ein positives Zwischenergebnis. Auch meiner Mutter geht es prima, die einzigen „Wunden“, die sie versorgen muss, sind Mückenstiche. Ich bin echt stolz auf sie –  Ziele kenne kein Alter! Es war ja ein großer Wunsch von ihr nochmal die Via Podiensis zu gehen, nachdem sie sie vor Jahren schon einmal gegangen war. Letztes Jahr war ich mit meinem Bruder und meine Mutter auf dem Jakobsweg unterwegs und schon dort stand fest, dass ich heuer wieder gehen werde. Und so entstand die Idee meine Mutter auf der Via Podiensis bis Saint Jean Pied le Port zu begleiten. Ab dort werde ich dann alleine weiterlaufen, aber bis dahin genießen wir die gemeinsame Zeit sehr.
Die heutige Etappe zeigte sich von seiner schönsten Seite. Es ging entlang von Korn- und Sonnenblumenfelder und es gibt nur mehr wenige Eichen. In Lascabanes fragte ich eine Dorfbewohnerin, wo denn hier eine Bar sei. Sie antwortete, dass es hier keine gäbe und keine 10 Minuten später servierte sie mir einen doppelten Espresso. Hier sollte ich vielleicht erwähnen, dass der doppelte Espresso so etwas wie mein Jakobsweg-Ritual ist. Jeden Vormittag mach ich eine kleine Pause und trinke einen doppelten Espresso – meist auf Eis wegen der Hitze. Den Kaffee ließ sie sich natürlich nicht bezahlen. Kurz nach dem Dorf lernte ich den französischen Pilger Thöny mit seinem Esel Leo kennen. Auch in den letzten zwei Jahren traf ich immer wieder auf Pilger mit Begleiter.
Nach einem Kaffee und einer leckeren Portion Pommes ging es von Montcuq dann weiter Richtung Herberge Gite de Lestos – ein Volltreffer. Jean-Michel hat die alte Mühle mit viel Liebe zum Detail renoviert: Es gibt einzelne Schlafkojen, Hängematten, eine Kneippmöglichkeit am Bach usw. Ich freu mich schon aufs Abendessen, auch das dürfte ein Highlight werden!

Sonnenblumenfelder


Wunderschöne Landschaft


Pilger Thöny mit seinem Esel Leo


Schlafkojen

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4 Kommentare

  1. Annelies lederer

    Hallo Peter, super weiter so und noch weiterhin viele schöne Eindrücke. Du kannst mit Recht stolz auf deine Mutter sein, ich weiss nicht ob ich das noch so schaffen würde. LG Annelies mit GötiKinder

  2. Franziska

    Lieber Peter
    Mit grosser Freude verfolge ich Eure Fortschritte und die Genesung Deines Auges! Meine Gedanken sind ganz fest bei Dir und Deiner liebenswürdigen Mutter. Weiterhin gutes Gelingen auf Eurem Weg wünscht Franziska

  3. Peter Mayr

    Liebe Annelies,
    danke für deinen Eintrag! Und wie ich stolz bin!
    Liebe Grüße an euch alle,

    Peter

  4. Peter Mayr

    Liebe Franziska,
    danke für deine Wünsche. Meinem Auge geht es wieder richtig gut!

    Liebe Grüße,
    Peter

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