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Die “nächtlichen Apfel-Ess-Pilger”

13.07.2012 | 3 Kommentare

9. Juli 2012
Das gestrige Abendessen war ein absolutes Highlight. Thöny mit seinem Esel übernachtete in der selben Herberge wie wir und er hatte Geburtstag – da ließ sich Herbergsvater Jean-Michel nicht lumpen und servierte noch einen Gang mehr. Zur Feier des Tages gab es als Dessert eine Apfeltarte mit viel Eierlikör. Ich trinke zwar in den ersten sechs Wochen auf dem Jakobsweg keinen Alkohol, aber ich habe „ihn“ ja gegessen. Der heutige Tag begann dann mit einer Autofahrt – Jean-Michel brachte uns dankenswerterweise zurück auf den Jakobsweg, damit wir keine leeren Kilometer machen mussten. Der Weg war dann geprägt von Sonnenblumenfelder, soweit das Auge reicht. Erwähnenswert ist auch der Ort Lauzerte. Absolut zu recht erhielt dieser den Titel „Les plus beaux villages de France“. Viele schöne renovierte Häuser reihen sich aneinander und es gibt einen malerischen Marktplatz. Morgen geht es dann weiter nach Auvillar.

Der zusätzliche Geburtstags-Gang


Lauzerte


Spiegelbild

10. Juli 2012
Der heutige Tag begann bei leichtem Regen, doch zwei Stunden später konnten wir unsere Regenkluft für den Rest des Tages ablegen. Wir kamen heute zügig voran, da ein Großteil der Strecke durch ebenes Gelände ging. Der erste Höhepunkt war Moissac mit seiner Abteikirche Saint Pierre – der Kreuzgang und das Portal sind UNESCO Weltkulturerbe. Nach einer gemütlichen Kaffeepause ging es 15 Kilometer entlang des  „Canal Latéral à la Garonne“ weiter. Gegen 14 Uhr erreichten wir Espalais wo wir uns im Pilgercafé von Vincente stärkten. Vincente hat seine Herberge erst vor Kurzem eröffnet und baut immer noch fleißig aus. Eine Tasse Kaffee und das Übernachten erfolgt gegen eine freiwillige Spende – man spürt sofort wieder das „Willkommen sein“. Unterstützt wird Vincente von der Niederösterreicherin Theresia. Diese musste aufgrund einer Sehnenentzündung ihren Jakobsweg leider beenden. Wir blieben noch gut eine Stunde dort bevor wir Richtung Etappenziel Auvillar weitermarschierten.

Canal Latéral à la Garonne


Pilgercafé von Vincente

11. Juli 2012
Gestern Abend machte ich noch einen kleinen Spaziergang durch Auvillar – der Ort ist ebenfalls einer der wenigen, der die Auszeichnung „Les plus beaux villages de France“ trägt. Die Herberge in Auvillar hat sich, wie der Ort, ebenfalls eine Auszeichnung verdient. Die Herberge ist sauber und bietet vor allem viele Rückzugsmöglichkeiten.
Ich besuchte die Kirche St. Pierre, in der gerade ein Chor probte. Ich blieb noch eine Weile sitzen – es war einer dieser wunderschönen Jakobswegmomente. Danach ging ich einkaufen, denn heute war ich der Koch. Für meine Mama und mich kochte ich Knoblauchspaghetti mit Oliven. Eines ist sicher – die Stechmücken lassen uns jetzt eine Zeit lang in Ruhe!
Die heutige Etappe führte uns zunächst nach Saint Antoine. Dort hing immer noch die Weihnachtsbeleuchtung. Der weitere Weg führte uns vorbei am Chateau de Flamarens, das zur Zeit restauriert wird. Kurz vor 14 Uhr erreichten wir nach 25,8 Kilometern unser heutiges Etappenziel Barrachin.

Weihnachtsbeleuchtung in Saint Antoine


Chateau de Flamarens

Nicht jedes “Utensil” ist erlaubt

12. Juli 2012
Seit heute Nacht weiß ich, es gibt noch eine weitere Art von Pilgern – die „nächtlichen Apfel-Ess-Pilger“. Ich muss sagen, ein tolles Geräusch, das alle anwesenden Pilger aufweckte. Ein Dankeschön an dieser Stelle an unseren Mitpilger aus Belgien für diese neue Erfahrung.
Nichtsdestotrotz starteten wir pünktlich um 6 Uhr unsere heutige Etappe. Diese war wiederum eine der schönsten – es ging entlang von Sonnenblumenfeldern und heute auch an Melonenfeldern vorbei. Unseren ersten Zwischenstopp legten wir in Lectoure ein. Wir besichtigten die Kathedrale Saint Gervais mit ihren wunderschönen Kirchenfenstern. Lectoure ist außerdem für die Heilquelle bekannt – sie soll besonders bei Rheuma und Arthrose hilfreich sein. Anschließend ging es bei Kaiserwetter Richtung La Romieu. Das ist zwar ein kleiner Umweg, der sich aber auf alle Fälle lohnt. Die Stiftskirche Saint Pierre und vor allem der Kreuzgang, der ebenfalls zum UNESCO Weltkulturerbe zählt, ist wunderschön. Noch ein Wort zum Wohlbefinden: So kann es weiter gehen! Es zwickt ein bisschen, aber sonst alles gut.

Melonenfeld


Kathedrale Saint Gervais


Kaiserwetter


Kreuzgang Stiftskirche Saint Pierre

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3 Kommentare

  1. Wiltrud Sohler 6863 Egg-Hinteregg

    Hallo Peter,mit großer Freude darf ich dich auf dem Jakobsweg übers Internet begleiten,du schreibst so schön und interessant.
    liebe Grüße und weiterhin viel Glück
    deine ehemalige Arbeitskollegin Wiltrud

  2. Hallo Ihr zwei,

    Schritt für Schritt ,egal ob etwas zwickt ,das ist der Spirit des Weges.Wunderschöne Landschaften die ihr da durch pilgert.Wir sind schon sehr gespannt auf die Küstenroute und deren Landschaften.Die Durchquerung durch Nordspanien nach Santiago de Compostella kennen wir ja schon von 2008.Heute in zwei Jahren werden wir schon wieder die ersten 3 Tage auf dem Weg gewesen sein und um diese Zeit, jetzt haben wir 17:10Uhr, werden wir wohl gerade ein kurzes Nickerchen halten um dann gegen 19 Uhr selber zu kochen oder irgendwo ein Pilgermenü zu uns nehmen.Und wir werden schon wieder voll im Pilgeralltag stehen der soviel Freiheit in sich hat.

    In Gedanken sind wir mit euch auf dem Weg. :-)
    Klangzauber Edi u Sylvia

  3. Peter Mayr

    Liebe Wiltrud, lieber Edi und liebe Sylvia,

    vielen Dank für eure Wünsche!

    LG Peter

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