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Bellende Hunde beißen nicht

16.07.2012 | 11 Kommentare

13. Juli 2012
Heute machten wir uns um 6:30 Uhr auf zu unserer Kurzetappe (23 Kilometer) nach Tollet. Insgesamt kommen wir sehr gut voran, nur ab und zu machen uns die Herbergen einen Strich durch die Rechnung und wir müssen unsere geplanten Übernachtungsorte ändern. So wie es im Moment aussieht, werden meine Mutter und ich Saint Jean Pie de Port am 23. Juli erreichen. Das ist zwar zu spät, dass ich den GR10 oder 11 über die Pyrenäen gehen kann, aber dieser Weg ist sowieso nicht Teil des Jakobswegs und wäre eine Draufgabe gewesen. Meine Mutter bat mir bereits an, dass ich alleine „losziehen“ soll, aber wir sind gemeinsam in Le Puy gestartet und werden die Via Podiensis auch gemeinsam beenden – wie ausgemacht. Ein Alternativprogramm für den GR10 und 11 hab ich ja auch schon: Wenn alles so kommt, wie geplant, werde ich zwei Tage über die Pyrenäen am Camino Francese bis Pamplona gehen und von dort aus mit dem Bus auf den Camino Norte nach Irun wechseln. Dann hätte ich am 26. Juli auch einen freien Tag – meine Füße würden sich freuen.
Zurück zur heutigen Etappe: Gegen 10 Uhr erreichten wir Condom, wo wir uns zuerst die Kathedrale Saint Pierre anschauten. In Condom kann man sich auch eine Ausstellung über Präservative anschauen – das ist aber schon das Einzige was die Stadt mit Kondomen verbindet. Außerdem liegt die Stadt mit circa 7.000 Einwohnern im besten Armagnac-Anbaugebiet. Gegen Mittag, nach einer gemütlichen Rast, ging es weiter Richtung Etappenziel Tollet, wo wir in einem Bauernhof untergebracht sind. Morgen geht es weiter nach Eauze.

Sonnenaufgang


Sonnenblumen in der Morgensonne


Musketier von Condom

14. Juli 2012
Nach einer für mich unruhigen Nacht verließen wir pünktlich um 6:00 Uhr unsere Herberge. Der Bauernhof war sehr gemütlich und wir hatten diese Herberge für uns alleine, denn wir waren die einzigen Pilger an diesem Tag. Kurz nach Tollet überschritten wir die alte Pilgerbrücke Pont d´Antigues, die schon seit Jahrhunderten von Pilgern benutzt wird. Irgendwie ist es schon ein eigenartiges Gefühl, wenn man sich bewusst macht, dass Pilger schon seit Jahrhunderten die Brücke ebenfalls betraten. 
Die heutige Etappe war gezeichnet von Sonnenblumen- und Buschbohnenfeldern und vielen Weinkulturen. Am frühen Vormittag passierten wir ein Dorf, in dem wir eigentlich ursprünglich übernachten wollten, aber die Herberge ausgebucht war. Stimmt nicht, wie wir beim Passieren merkten. Die Herberge hatte schlicht und einfach zu, da zu dieser Zeit wenig Pilger unterwegs sind. Ein großer Dank gebührt an dieser Stelle jenen Herbergsvätern, die uns Pilger – und seien es noch so wenig – in ihren Herbergen willkommen heißen.
Heute hatte ich eine sehr unangenehme Begegnung mit einem Hund. Eigentlich liebe ich Hunde und hab auch keine Angst vor ihnen. In jedem Führer steht allerdings geschrieben, passiert man ein Grundstück auf dem ein Hund ist, solle man warten bis der Grundstücksbesitzer kommt und den Hund zurückpfeift. Plötzlich steht also ein bellender Hund vor mir, ich bleibe artig stehen und der Besitzer kommt heraus. Allerdings schrie der nur, ich solle doch weitergehen. Gut, denke ich, mach ich. Doch der Hund hatte eindeutig etwas dagegen und knurrte, bellte und zweigte mir seine Zähne. Ich blieb natürlich stehen und wartete geschätzte 5 Minuten darauf, dass sich der Besitzer nochmal zeigt. Dieser schrie allerdings nur wieder, ich soll weiterlaufen. Mit meinen Stöcken bewaffnet tastete ich mich in kleinen Schritten vorwärts. Der Hund folgte mir noch 300 Meter, bis er ein neues Pilger-Opfer fand. Morgen geht es von Eauze weiter nach Nogaro.

Pilgerbrücke Pont d´Antigues


Verlaufen?


Eauze

15. Juli 2012
Ich hatte heute schon wieder eine unruhige Nacht – bis 2:00 Uhr lag ich wach, weil meine Füße sich so schwer anfühlten und auch schmerzten. Ich wusste einfach nicht, wohin mit meinen Beinen. Das gute an der Sache ist, dass ich in der Früh dann nichts mehr davon spüre. Meine Beine sind dann erholt. Auf unserer heutigen Kurzetappe nach Nogaro dominierten die Maisfelder. Mit den Sonnenblumenfeldern war heute mal Schluss. Der Sonnenaufgang in der Früh war besonders schön – ein intensives Orange war zu bewundern. Der Weg schlängelte sich durch die Landschaft, heute waren nur wenige Straßenkilometer dabei. Es ging mehrheitlich über Wiesen- und Feldwege und entlang von Weinbergen. In Tucon passierten wir die alte Kirche Eglise Hospital Saint Christine, die dem Malteserorden unterstellt war. Unser Etappenziel Nagaro erreichten wir kurz vor Mittag. Heute Nachmittag steht Erholung auf dem Programm. Vorher geht es noch zur Stärkung in eine Pizzeria.

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11 Kommentare

  1. Christa Robert

    Hallo Herr Mayr,
    wenn ich Ihre Berichte lese, bin fast schon auf dem Weg! Mit einfachen Sätzen nehmen Sie die Leser einfach “mit”! Danke schön!

    Ich hätte allerdings ein paar pragmatische Fragen. Wie viel tragen Sie denn da auf Ihrem Rücken? Schafft das Ihre Mutter auch?
    Beruhen Ihre Unterkunftsadressen auf Ihre langjährige Erfahrung?
    Haben Sie vielleicht darüber etwas veröffentlicht oder können Sie
    etwas empfehlen?

    Ich weiß, ich bin neugierig! Aber so ist das nun mal mit mir.
    Über eine Antwort würde ich mich freuen.

    Weiterhin viel Spaß und gutes Voranschreiten.

    MFG Christa Robert

  2. Horst Mayr

    Mein liebes Bruederlein!
    Fein dass Du mit Mammilein den franzoesischen Weg gemeinsam zu Ende gehst. Das tut ihr gut. Und mich freuts auch. Bin in Gedanken bei Euch! Pfiati, Horsti

  3. Peter Mayr

    Liebe Frau Robert,

    danke für Ihr Kompliment! Einmal auf dem Jakobsweg und man wird zum “Wiederholungstäter” ;).
    Heuer gehe ich einen neuen Weg (die Via Podiensis in Frankreich und den Camino Norte, den Küstenweg in Spanien) und kenne die Unterkünfte daher nicht. Ich habe einen Führer dabei und schaue immer auf die Größe einer Herberge. Je kleiner, desto lieber ist es MIR.
    Veröffentlicht habe ich NOCH nichts ;-).

    Auf Ihre Fragen bezüglich Gepäck gehe ich gerne in meinem nächsten Blogeintrag näher ein.

    Liebe Grüße,

    Peter Mayr

  4. Anton Fink

    Guten Tag,
    wenn ich so in Ihren Tagebuch lese, kommen mir wieder viele Erinnerungen in den Sinn. Eine herrliche Reise, ich bin sie vor etwa 11 Jahren mit dem Fahrrad gefahren.
    Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute.
    Liebe Grüße
    Anton Fink

  5. Lucia

    Hallo Peter!
    Verfolge mit Interesse deinen Reisebericht! Alle Achtung, was eure Füße so leisten…!
    Wir sehen uns im Herbst beim WIFI-Kurs - habe mich schon angemeldet!
    LG von einer “frischgebackenen, konzessionierten Immobilienmaklerin” ;-)

  6. Peter Mayr

    Lieber Herr Fink,

    vielen Dank für Ihren Eintrag und die guten Wünsche.

    Liebe Grüße,

    Peter Mayr

  7. Peter Mayr

    Hallo Lucia,

    danke für das Kompliment – wir geben unser Bestes ;).
    Gratuliere zur bestandenen Prüfung zur Immobilienmaklerin!

    Bis bald,

    LG Peter

  8. Josef

    Hallo Herr Mayr,

    toll was Sie da leisten - und noch eine Firma führen.
    Davon träum ich schon seit Jahren. Wieviel Angestellte
    haben Sie und wo bekommt man so tüchtige Leute?
    Was haben die für Gehälter?
    (Frage eines gestressten Firmenchefs).
    Vielleicht haben Sie einen Tip für mich.

    Weiterhin frohes Wandern geniessen Sie die Auszeit!

    Josef

  9. Peter Mayr

    Hallo Herr Josef,

    danke für Ihr nettes Feedback. Gerne tausche ich mich im Anschluss meines Weges mit Ihnen persönlich aus. Ich wünsche Ihnen in der Zwischenzeit alles Gute.

    Liebe Grüße,

    Peter Mayr

  10. Ich war nur von Leon bis Santiago unterwegs, im vergangem Jahr. Doch weiß, wie sehr kraft der Weg gibt. ich befinde mich in der Scheidung, seit eineinhalb Jahren und vergebens im Kampf um meine Ehe. Ich bete für euch!
    Betet für meine Familie und mich, nehmt uns in eure Gedanken, damit wir eine Chance haben.
    Wer nicht am Camino war, kann es nicht verstehen, was er bedeutet. Alleine, dass ich deinen Blog lesen darf, kommt mein verlangen den einen Weg, wieder zu gehen.
    Buen Camino, von einem der am Boden ist und sich die Erlösung des Weges, einmal mehr wünscht.
    Lg aus dem Ländle, Mike

  11. Peter Mayr

    Lieber Mike,

    Du hast Recht - der Weg gibt sehr viel Energie. Ich bin mir sicher, dass ihn Du auch bald wieder gehen wirst.
    Ich wünsche Dir viel Kraft in dieser schweren Zeit. Du wirst sehen - es kommen auch wieder schöne Tage.

    Liebe Grüße
    Peter Mayr

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