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37 Grad und es wird noch heißer!

19.07.2012 | 5 Kommentare

16. Juli 2012
Gestern Nachmittag konnte von Relaxen keine Rede sein. Die Herberge war zwar schön, allerdings lag sie neben einer Renn- bzw. Teststrecke. Und es war Sonntag, heißt also Renntag. Da war kein Nickerchen möglich, was aber den Vorteil hatte, dass ich heute nach 2 unruhigen Nächten eine perfekte Nacht hinter mir habe. Ich bin heute früh völlig ausgeruht aufgestanden. Der Weg führte uns bei strahlendem Sonnenschein durch Weinberge, entlang von kleinen Bächen, über Wiesen und Felder. Der Wettergott meint es wirklich gut mit uns – seit 21 Tagen sind wir nun unterwegs und hatten erst einen wirklichen Regentag. Nicht auszudenken in was für einen Schlamm wir laufen müssten, wenn wir nicht so vom Wetter begünstigt wären.
Heute möchte ich ein paar Worte zur Ausrüstung verlieren: Grundsätzlich sollte man nicht mehr als 10 Prozent seines eigenen Körpergewichts tragen, besser ist weniger. Die Devise lautet – je leichter der Rucksack, umso leichter kommen Sie voran. Ich habe auch schon Pilger getroffen, die Rucksäcke mit 20 Kilogramm und mehr geschleppt haben. Es werden zwar auch Rucksacktransporte angeboten, aber ich finde, jeder sollte sein Gepäck selber tragen. Der Transport ist natürlich klasse für Leute mit Rückenbeschwerden – diese könnten ohne diesen Service den Weg nicht gehen. Oder wie eine junge Koreanerin, die ich vor zwei Jahren kennengelernt habe. Bei einem Sturz hat sie sich das Schlüsselbein gebrochen und konnte dank Rucksacktransport den Weg beenden.
Wichtig ist, bei der Ausrüstung nicht zu sparen – wenn Sie den Weg einmal gehen, werden Sie sicher zum Wiederholungstäter. Der Rucksack muss passen, da gibt es mittlerweile Ultraleichtmodelle mit denen man schon alleine bis zu 1 Kilogramm spart. In meinem Rucksack befinden sich beispielsweise: 3 Unterhosen, 2 T-Shirts, 2 Paar Seidensocken und 2 Paar Wandersocken, 2 Wanderhosen, 1 Goretex-Jacke, 2 Strickjacken, gutes Schuhwerk, Kopfbedeckung, Stirnlampe, Schlafsack, Erste-Hilfe-Ausrüstung, Sonnenbrille und der Waschbeutel. Dazu kommen die täglichen Lebensmittel.  
Nach 26,5 Kilometern erreichten wir unser heutiges Etappenziel, Aire sur l´Adour, gegen 13 Uhr. Nach einer kurzen Stärkung ging ich zum Fluss Adour und genoss ein ausgiebiges Fußbad.

An Relaxen war nicht zu denken!

Aire sur l´Adour hieß uns willkommen.

Ein wohlverdientes Fußbad.

17. Juli 2012
Als wir heute morgen die 6.000 Seelen-Gemeinde Aire-sur-l’Adour verließen, kamen wir an der Kirche Sainte-Quitterie vorbei. Sie wurde an der Stelle eines antiken römischen Tempels errichtet. Als wir auf dem Hügel Le Mas ankamen, eröffnete sich uns eine wunderbare Fernsicht und wir konnten zum ersten Mal die Pyrenäen sehen.
Unser weiterer Weg führte uns am heutigen Tag einer Asphaltstraße entlang nach Miramont- Sensacq, auf dem Weg dorthin waren zahlreiche Maisfelder unsere stetigen Begleiter.
Bevor meine Mutter und ich eine längere Rast einlegten, besuchten wir noch die Kirche Saint-Jacques de Sensacq. Während unserer Rast besprach ich mit meiner Mutter die nächsten Etappen. Ich hatte bemerkt, dass wir nach unserem Zeitplan bereits am 22.07. in Saint-Jean-Pied-de-Port ankommen würden – aber nicht müssen. Die derzeitige Hitze macht meiner Mutter doch sehr zu schaffen, deshalb plante ich unsere Etappenziele nochmal neu durch und verkürzte die täglichen Strecken der nächsten Tage. Unserem neuen Zeitplan zufolge, kommen wir nun erst am 23.07. in Saint-Jean-Pied-de-Port an. Somit liegt morgen unser letzter 30iger nach Pomps vor uns. Danach erwarten uns im Schnitt „nur noch“ 25-Kilometer-Strecken. Wir sind bereit für die nächsten Etappen!

Kirche Sainte Quitterie

Mein Schatten begleitet mich.

Runter mit dem Sommerpelz.

18. Juli 2012
Da heute unsere letzte 30 Kilometer Etappe vor uns lag, starteten wir bereits um 05:45 Uhr. Die Wettervorhersage sagte 37 Grad voraus – und jeden Kilometer, den wir bei angenehmen Temperaturen machen können, ist einfach Gold wert. Nach circa einer Stunde Gehzeit erreichten wir das Dorf Pimbo. Karl der Große soll hier eine Benediktinerabtei gegründet haben, die aber während der Hugenotten-Kriege zerstört wurde. Im Mittelalter wurde Pimbo zu einer Bastide ausgebaut. Bastide ist die Bezeichnung für die im Mittelalter gegründeten Städte Südfrankreichs.
Danach führte uns unsere Route auf wunderschönen hügeligen Wegen nach Arzacq Arraziguet. Das Pyrenäen Vorland ist wunderschön mit seinen zahlreichen Mais- und Getreidefeldern. Das bedeutete aber gleichzeitig auch sehr wenig Schatten. Umso glücklicher waren wir über unsere Entscheidung, die heutige Etappe so früh gestartet zu haben. Das Dorf Pomps – unser heutiger Zielort wollte und wollte nicht näher kommen. In Urzan hatten wir Glück – Bewohner haben hier eine „Raststation“ errichtet. Dort gab es Getränke und Kuchen auf Spendenbasis. Um 14 Uhr hatten wir es dann geschafft und erreichten endlich Pomps. Morgen erwartet uns eine 20 Kilometer lange Strecke nach Maslacq.

Am Stausee.

Pilgerbaum

Das Dorf Pimbo.

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5 Kommentare

  1. Dietmar & Dunja

    Hi Peter,

    Bregenz, 18°C bei wunderschönem Regenfall.
    Möchtest du nicht tauschen?

    Freuen uns das es dir gut geht.
    Viel Freude noch bei deinen restlichen Kilometern.

    Bis in ca. 6 Wochen.

    LG
    Dietmar und Dunja

  2. Hallo ihr Zwei,
    der eigentliche Jakobsweg rückt mit eurem Zeitplan am 23.07 langsam näher.
    Ja auch wir sind jeden Tag spätestens um 5:30 aus der Herberge raus auf den Weg gegangen;wir haben auch Nachtwanderungen gemacht vor allem in der Meseta die dir heuer ja erspart bleibt mit deiner Route.Die Hitze ist schon gewöhnungsbedürftig aber die Zeit lässt alles besser ertragen. Deine Mama hat es nun auch bald geschafft und sie kann wirklich stolz darauf sein.Weiterhin Buen Camino
    Lg
    Edi und Sylvia

  3. Peter Mayr

    Hallo Dietmar und Dunja,

    die Via Podiensis und somit die ersten 730 Kilometer sind geschafft. Ich freue mich schon auf den Camino Norte.
    Danke für eure Wünsche und bis bald,

    Peter

  4. Peter Mayr

    Danke Edi und Sylvia!

  5. Frohe Weihnachten und Glückliches neues Jahr! ;-)

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