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Die Via Podiensis ist geschafft!

24.07.2012 | 6 Kommentare

19. Juli 2012
Auf einem schönen Feldweg verließen wir heute um 6:00 Uhr früh den Ort Pomps. Es ging durch leicht hügeliges Gelände nach Castillon und von dort weiter zur Kapelle de Coubin. In naher Zukunft wird der Jakobsweg wohl hierher verlegt werden, denn es wird gerade eifrig an der Errichtung einer Schnellstraße gearbeitet. Die romanische Kapelle stammt aus dem 12. Jahrhundert. 1569 wurde das dazugehörige Hospiz vollkommen von den Hugenotten zerstört und auch die Kapelle wurde dabei beschädigt.
Kurz danach erreichten wir Arthez de Bearn. Arthez entstand aus einem Augustiner Kloster. Hier bekam ich auch meinen geliebten Espresso. Wir legten eine ordentliche Verschnaufpause ein, bevor es über einen „Höhenweg“ nach Argagnon weiter ging. Auf diesem Weg gab es zahlreiche Edelkastanien. Im Herbst ist dieser Weg sicherlich ein Traum– man kann sich gleich einen Vorrat für das Abendessen sammeln! Von Argagnon ging es dann noch circa 30 Minuten weiter nach Maslacq – unser heutiger Zielort.
Nun bin ich schon sehr gespannt auf morgen – es geht weiter nach Navarrenx. Hier habe ich letztes Jahr von meinem Pilgerfreund Robert den Tipp bekommen in der Herberge vom L’Alchimiste zu übernachten – ich freue mich!

Chapelle de Coubin


“Höhenweg” nach Argagnon

Wandnischengrab

20. Juli 2012
Gestern hatten wir doppeltes Glück mit unserer Herberge. Zum einen haben wir die „Schönere“ reserviert und zum anderen war die andere Herberge „verwanzt“. Olaf, ein netter Pilger aus Berlin, den ich vor zwei Tagen in Pomps kennen gelernt habe, übersiedelte am Nachmittag in unsere Herberge. Wie sich später noch herausstellte, war er nicht der Einzige, der vor den Bettwanzen flüchtete. Bettwanzen sind immer wieder ein großes Problem auf diesen Wegen. Es kann auch wirklich schöne Herbergen (be)treffen. Pilger können dieses Ungeziefer unbemerkt von einer Herberge zur nächsten schleppen. Wir hatten bis dato noch Glück und blieben verschont.
Unsere heutige Etappe begann bei leichtem Nieselregen. Wir kamen aber auch gleich kräftig ins Schwitzen – es ging steil bergauf. Das Pyrenäen-Vorland ist durch die vielen Flüsse und Bäche sehr hügelig. Das heißt wir machen wieder zahlreiche Höhenmeter. Kurz nach Sauvelade hörte auch endlich der Nieselregen auf. Die Sonne ließ sich zwar nicht blicken, aber es war sehr angenehm zu gehen. Wir erreichten heute schon um 12:00 Uhr mittags unseren Zielort Navarrenx. Unsere Herberge der L’Alchimiste ist wirklich empfehlenswert. Sie hat einen wunderschönen Garten, kleine Schlafräume und einen sehr freundlichen Herbergsvater. Heute gehen wir um 18:00 Uhr zum Pilgergebet und danach steht gemeinsames Kochen auf dem Plan.
Morgen schlafen wir zur Abwechslung mal aus und brechen erst um 07:00 Uhr auf – wir haben ja nur 19 Kilometer vor uns.

Wegweiser

Unser Zielort Navarrenx

Pilgerwünsche

21. Juli 2012
Der gestrige Nachmittag in Navarrenx war wunderschön. Dort trafen wir noch auf zwei Fahrradpilger aus Kärnten, die mit ihren Drahteseln ein Jahr lang durch Europa treten. Außerdem trafen wir noch zwei belgische und fünf französische Pilger, auf die wir nun schon seit etlichen Tagen immer wieder stoßen. Für die zwei Belgier war gestern der letzte Tag. Sie pilgern jedes Jahr zehn Tage lang. Die fünf Franzosen mussten gestern noch weiterwandern, da sie am Sonntag in Saint Jean Pied de Port sein wollen. Und so hieß es gestern zum ersten Mal Abschied nehmen von liebgewonnenen Mitpilgern.
Um 18:00 Uhr gingen wir zum Pilgergebet, das sich in drei Teile gliederte: Zuerst eine Erzählung über den Ort Navarrenx, danach gemeinsames Gebet und der dritte Teil war ein Weinempfang im Gemeindehaus.
Außerdem finden hier jedes Jahr die Weltmeisterschaften im Lachsfischen statt. Navarrenx wurde zu einer Bastide ausgebaut und ist von einer Stadtmauer umgeben. Die Brücke, die über den Grave d’Oloron führt, wurde 1188 extra für Pilger erbaut. Heute dürfen auch Autos die Brücke passieren.
Am Abend war gemeinsames Abendessen beim L’Alchimiste angesagt. Es war ein sehr gemütlicher Abend. Die Herberge ist absolut empfehlenswert.

Baskenland
Heute ging es zuerst über die bereits erwähnte Brücke in Richtung Lichos. Wir hatten angenehmes Wanderwetter, die Sonne kam immer wieder durch, aber es wurde nie zu heiß. Es ging zumeist auf Feldwegen, die von Maisfeldern eingesäumt waren, dahin. In Lichos besuchten wir noch eine Herberge, in der meine Mutter vor sieben Jahren übernachtet hatte. Um 12:00 Uhr mittags erreichten wir bereits unsere Unterkunft Bellevue – wieder ein absoluter Volltreffer. Wunderschön gelegen, traumhafter Ausblick und lauter 2er Zimmer.

Morgen geht es weiter nach Ostabat-Asme – der vorletzte gemeinsame Tag von meiner Mutter und mir. Übrigens kurz vor Lichos erreichten wir heute das Baskenland.

Abschied nehmen von Mitpilgern


Gemeinsames Abendessen beim L’Alchimiste

Wir sind im Baskenland

22. Juli 2012
Am vorletzten Tag zeigte sich die Via Podiensis nochmals von ihrer schönsten Seite. Die Landschaft ist jetzt sehr offen, das heißt die Pyrenäen und die davorliegenden Hänge sind meistens gut zu sehen. In diesem Gebiet dominiert wieder die Viehzucht. Seit gestern sind wir ja im Baskenland unterwegs, von den sieben baskischen Provinzen liegen drei in Frankreich. Ein Drittel der Bewohner hier in Frankreich sprechen auch baskisch.

Heute hatten wir die Qual der Wahl: Es gibt zwei Varianten auf diesem Abschnitt. Die erste Variante ist der Weg über den Stein von Gibraltar und die zweite Variante ist der über den Ort Uhart–Mixe, dieser führt über eine alte Römerbrücke. Der Stein von Gibraltar markiert die Vereinigung dreier wichtiger Jakobswege. Hier treffen die Via Podiensis, den meine Mutter und ich machen (von Le Puy-en-Velay), die Via Lemovicensis (von Vezelay über Limoges und Perigueux) und die Via Turonensis (von Paris über Orleans Tours und Bordeaux) aufeinander. Wir entschieden uns aber für Variante Zwei, den Weg über die alte Römerbrücke nach Uhart-Mixe. Der Grund für unsere Entscheidung war, dass dies der alte, historische Weg ist. Der Weg wird immer mal wieder an Veränderungen angepasst, beispielsweise an die veränderte Infrastruktur oder ähnliches.

Die Pyrenäen warten
In Uhart-Mixe machten wir eine schöne Rast, wo wir auch ein Spielfeld der baskischen Sportart Pelota bewundern konnten. Hier wird ein Lederball mit den bloßen Händen oder mit einem Schläger, eine Art Korbschaufel gegen die Mauer geschlagen.
Danach ging es auf schönen Wegen nach weiter nach Ostabat-Asme, wo wir am frühen Nachmittag ankamen. Hier werden meine Mutter und ich heute nochmals schön dinnieren – danke Franziska – denn bei mir geht es ja morgen Nachmittag bereits nach Orisson weiter. Auf diese Herberge freue ich mich ganz besonders. Nicht nur, weil ich dann schon circa 600 Höhenmeter bei der Pyrenäenüberschreitung hinter mich gebracht und es am nächsten Tag etwas „leichter“ habe, sondern weil ich in dieser Unterkunft bereits 2010 und 2011 gewohnt und die Zeit dort sehr genossen habe.
Meine Mutter bleibt noch für einen Tag in Saint Jean Pied de Port und reist dann ab. Ich freue mich auf unseren letzten gemeinsamen Tag.

Alte Römerbrücke


Pelotaspielfeld

Beim täglichen Schreiben

23. Juli 2012
Der Wettergott meinte es nochmals absolut gut und bescherte uns eine wunderschöne Abschlussetappe. Wir erlebten einen perfekten Sonnenaufgang und in den Tälern hing noch der Morgendunst. Die ersten zwei Stunden des Tages sind immer die schönsten zum Gehen. Die Luft ist frisch und es ist schön zu beobachten, wie die Natur erwacht. Kurz nach Bastida erreichten wir das Croix de Galzetaburu, es stammt aus dem Jahr 1714. An dieser Stelle legen Pilger gerne einen Stein ab – was auch ich tat. In Saint Jean le Vieux machten wir noch eine gemütliche Kaffeepause. Zu Zeiten der Römer war dieser Ort sehr wichtig und lag an einer alten Römerstraße. Früher verlief der Jakobsweg von hier aus zum Pass von Roncesvalles erst ab dem 13. Jahrhundert entwickelte sich der Weg über Saint Jean Pied de Port. Frohen Mutes und überglücklich diese Strecke fast fertig „bezwungen“ zu haben, wanderten wir noch eine Stunde weiter. Um Punkt 12:00 Uhr erreichten wir das berühmte Pilgertor in Saint Jean Pied de Port. 730 Kilometer und knapp 15.000 Höhenmeter liegen hinter uns und ich bin sieben Kilo leichter.

Via Podiensis
Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Via Podiensis ein wunderschöner Weg ist. Der schönste Teil war für mich der erste Abschnitt von Le Puy bis Conques und die letzte Etappe von Sauvelade bis Saint Jean Pied de Port. Die Herbergen, die wir hatten, waren alle super und sauber. Folgende Herbergen waren die Schönsten:

  • Gite de Deux Pelerins in le Villevet
  • Domaine des Mathieux in les Mathieux
  • Gite de Lestos in Montcuq
  • Gite le Pai chemin in Espalais
  • Gite L’Alchimiste in Navarrenx
  • Gite Bellevue in Arove

Ich freue mich auf den weiteren Weg nach Santiago und bin gleichzeitig gespannt wie es wird.

Wunderschöne Morgenstimmung

Croix de Galzetaburu

Die Via Podiensis ist geschafft! Ankunft beim
Pilgertor in Saint Jean Pied de Port.

Die Via Podiensis: 730 Kilometer und 15000 Höhenmeter
von Le Puys bis Saint Jean Pied de Port liegen hinter uns.
(Karte zum Vergrößern anklicken)

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6 Kommentare

  1. Josef Maria, D-46045 OB

    Lieber Peter,

    seit dem ersten Blog habe ich deinen/euren Weg verfolgt. Es ist eine ganz tolle Sache und bestimmt auch eine große Erfahrung. Was mich vor allen Dingen auch freut, dass deine Mutter den Weg bis herher mitgegangen ist. Hochachtung. Davon kann ich nur träumen, denn meine Mutter ist inzwischen fast 91 und mit den Beinen nicht mehr gut zu Fuß. Als vor ein paar Jahren HaPe Kerkeling die Veröffentlichung machte, wurde ich von der Aura des Jakobsweges gefangen. Über meine Liebe zum Bodensee lese ich täglich Aktuelle über die VOL.at und so kam ich auch zu deinem Blog.
    Es wird bestimmt eine Zeit für mich geben, auch diese Erfahrung zu machen.
    Ich werde weiter lesen und wünsche dir eine gute Zeit bis zum Ziel in Santiago.

  2. Peter Mayr

    Hallo JosefMaria,
    danke für Dein Kompliment - das gebe ich vor allem meiner Mutter weiter :-)
    Es freut mich dass ich auch Dir durch meinen Blog die Schönheiten und vor allem die Energie des Weges näher bringen kann. Nach Santiago ist es noch ein weiter Weg, aber ich freue mich auf jeden einzelnen Etappen-Tag.

    Schöne Grüße
    Peter Mayr

  3. Beate

    Lieber Peter,

    Ich habe gerade mit Inge telefoniert, sie hat es genossen mit dir unterwegs zu sein.

    Danke für die Informationen von eurem Weg - telefonisch, per SMS, per Postkarten und auch auf dieser Internetseite.

    Ich bin beeindruckt über die Größe des Projekts, du hast unglaubliche Energie und ich wünsche dir noch viele gute Tage!

    Herzlich, Beate

  4. Beate

    Lieber Peter,

    da es funktioniert hat, gleich nochmals!

    Inge war begeistert über euren gemeinsamen Weg und das harmonische Miteinander!

    Gedanklich war ich viel bei euch, wandermäßig nur einige Tage, allerdings an dem heißen Tag besonders - auf dem Jakobsweg in Niederösterreich.

    Ich wünsche dir noch viele schöne Erlebnisse, gute Begegnungen, energiegeladenes Voranschreiten und alles Gute für die Reise nach innen.

    Herzlich, Beate!

  5. Beate

    Lieber Peter!

    Das Photo unter dem Tor von euch beiden ist ein tolles Symbol für Ende und Neubeginn.

    In jedem Ende steckt der Zauber des Anfangs. Nach jedem Abschied beginnen wir immer wieder neu und staunen…

    Alles Liebe, Beate!

  6. Peter Mayr

    Hallo Beate,
    Freut mich, dass Du unseren und jetzt meinen Weg verfolgst. Ja, ich denke Mutti und ich hatten eine tolle Zeit zusammen am Weg. Das Projekt mag als Ganzes groß erscheinen, aber durch die vielen Tage, sind die Wegstrecken ganz okay. Ich freue mich auf weiteres Feedback von Dir,
    Liebe Grüße an Harald Sophia und Dominik
    Peter

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