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Die verbotene Pilgerstrecke

08.08.2012 | 11 Kommentare

3. August 2012
Als Antonia und ich heute die Herberge verließen, war unser vereinbartes Ziel der Ort Santona. Wir wählten für unsere heutige Route die Variante über Liendo. Von dort aus geht es einer Steilküste entlang, die eine der schönsten Nordspaniens sein soll. Wir wurden nicht enttäuscht – blauer Himmel, tiefblaues Meer und die Wellen peitschten gegen die Küste. Antonia und ich bekamen am heutigen Tag noch eine zweite Besonderheit zu sehen. Da kein Wind wehte, konnten die Geier, die normalerweise zahlreich am Himmel kreisten nicht abheben und mussten auf Felsen und Wiesen sitzen bleiben, und wir konnten sie und ihre gescheiterten Flugversuche in aller Ruhe bestaunen.
Bevor wir unseren Weg an der Strandpromenade entlang bis nach Colindres fortsetzten, legten wir noch einen kleinen Stopp in Laredo ein und frühstückten. In Colindres nahmen wir die Fähre nach Santona. Obwohl mit dem Erreichen Santonas unsere heutige Tagesetappe schon beendet war, hatten wir beide das Gefühl noch weiter wandern zu wollen. Deshalb trennten Antonia und ich uns für den weiteren Weg nach Noja. Antonia entschied sich die direkte Route nach Noja zu gehen und ich wählte den Bergpfad. Mein Weg über die Berge war traumhaft, aber leider wies mir ein Spanier die falsche Richtung und ich musste einen Umweg von circa drei Kilometern machen. Ich kam an einem Leuchtturm und an einem Gefängnis vorbei. Einzigartig sind immer wieder die Abschnitte entlang von Stränden – heute lief ich an den Stränden von Berria und Noja. In Noja machte mir die einsetzende Flut ein Weiterkommen auf meinem bisherigen Weg unmöglich und ich musste nochmals einen kleinen Umweg machen. Zufrieden erreichte ich gegen 18:00 Uhr meinen Zielort Noja.
Morgen früh breche ich alleine auf, da Antonia heute noch nach Güemes weitergelaufen ist. Ich denke, dass wir uns spätestens übermorgen wieder treffen werden.

Es ging über die Variante von Liendo

Langsames Pilgern strengstens verboten!

Das Gefängnis am Strand von Berria

4. August 2012
Um 06:00 Uhr früh verließ ich heute alleine den schönen Ort Noja. Mein Weg führte mich über Wiesen, Felder und Landstraßen nach Güemes, wo ich Ernesto, dem dortigen Herbergsvater einen Besuch abstattete. Die Herberge von Ernesto war eine Empfehlung, da ich aber auf dem Camino Norte schon so gut vorangekommen bin, war es mir nicht möglich in der Herberge zu übernachten. Schade im Nachhinein – nicht nur die Herberge ist toll auch Ernesto ist ein absolut herzlicher Mensch! Er begrüßte mich freundlich und gab mir sofort zu Essen und zu Trinken. Ich unterhielt mich mit ihm über die weitere Strecke.
Es gibt nämlich eine Ernesto Route, die für längere Zeit der Steilküste entlang verläuft und die einem einen wunderbaren Blick auf die Wellenreiter bietet. Der letzte Abschnitt der Ernesto Variante führt dem Strand entlang nach Somo. In Somo nahm ich die Fähre nach Santander. Gestärkt mit reichlich Obst und Gemüse aus Ernestos Garten kam ich in Santander an. Dort lernte ich dann Roos aus Holland und Yolanda, eine Spanierin die in Bern lebt, kennen. Gemeinsam pilgerten wir zur Herberge in Santander.
Am Abend lernte ich noch Lukas und Vinzenz, die beide aus Wien sind, kennen. Roos wird zwei Tage in Santander verbringen. Yolanda, Vinzenz, Lukas und ich verabredeten uns für den nächsten Morgen um 05:30 Uhr die nächste Etappe gemeinsam zu starten.
Bevor ich zu Bett ging, sah ich mir noch die Kathedrale von Santander an.
Morgen soll es regnen – ich bin gespannt!

Auf dem Weg nach Güemes

Die Ernesto Route

Überfahrt nach Santander mit Mitpilgerinnen Roos und Yolanda

5. August 2012
Das Wetter hätte heute – Sonntag eingeladen, liegen zu bleiben. Das Gute an der Situation war, dass wir diese Nacht in einem Schlafraum zusammen mit 35 anderen Pilgern schliefen und es uns (Yolanda, Vinzenz, Lukas und ich)deshalb nicht schwer fiel um 05:45 Uhr in Regenklamotten die Herberge zu verlassen. Die Strecke war heute, wie das Wetter – sehr eintönig! Wir liefen auf Asphaltstraßen durch Industriegebiete. Aber auch solche kargen Streckenabschnitte gehören zum Jakobsweg und müssen bewältigt werden. Es war sicherlich eine Erleichterung diesen Weg nicht alleine, sondern zu Viert zu gehen.
Das einzige Highlight dieses Tages war die empfohlene, aber verbotene „Pilgervariante“. Kurz nach Boo de Pielagos gibt es die Möglichkeit entweder über eine 100 Meter lange Eisenbahnbrücke zu „pilgern“ oder einen Umweg von fast acht Kilometer zu machen. Die Entscheidung war schnell getroffen und fiel sogar einstimmig aus. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass in beide Richtungen direkt vor uns noch Züge passierten, aber somit wussten wir, dass jetzt so schnell kein Zug mehr kommen wird.
Müde und erschöpft kamen wir gegen 15:00 Uhr in unserem Zielort Camplengo an.

Heute hat es uns eingeregnet

Die verbotene Strecke

6. August 2012
Als ich heute um 05:15 Uhr mit meinem Rucksack ins Freie ging, regnete es aus Kübeln. Also schnell zurück unter das Vordach ins Trockene und rein in die Regenklamotten. Fünf Minuten später hörte es auf zu regnen und es wurde wieder ein wunderbarer Tag mit viel Sonne. Die heutige Etappe war traumhaft. Besonders reizvoll war der Ort Santillana del Mar. Leider haben wir nicht in diesem Ort übernachtet – das nächste Mal würde ich es tun!
Gegen Mittag erreichten wir den Ort Comillas – ebenfalls ein wunderschöner Ort. Hier verabschiedeten wir uns von Yolanda, die ihr heutiges Etappenziel hier erreicht hatte. So zogen Lukas, Vinzenz und ich weiter. Wir wollten heute noch fünf Kilometer weiter nach Gerra wandern. Dafür wählten wir wieder eine Alternativroute, die zwar ein kleiner Umweg war, dafür ging es aber einem langen Strand entlang.
In Gerra nahmen wir uns ein kleines 3-Zimmer Appartement. Es tat richtig gut wieder einmal ein eigenes Zimmer zu haben. Dort trafen wir Andreas aus Wien, ein Freund von Vinzenz, der im Sommer oft hier bei seinen Verwandten ist. Wir gingen in die ortsansässige Surfer-Kneipe, wo wir gemütlich relaxten. Gerra liegt wunderschön auf einer Anhöhe direkt am Meer.
Nachdem wir unsere Wäsche gewaschen hatten, besprachen wir noch den Streckenplan für den nächsten Tag. Wir möchten morgen möglichst nahe an den Ort Llanes herankommen.

Der Ort Santillana del Mar

Kurz vor Gerra

Schwemmland

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11 Kommentare

  1. Horst Mayr

    Hallo Peter!
    Ich finde Deine Fortsetzung ganz spannend. Alles Gute Mutti.

  2. Peter Mayr

    Hallo Mutti,

    ja da hast du absolut Recht. Es ist total spannend, aber auch anstrengend. Ich bin aber felsenfest überzeugt, dieser Weg würde auch dir gefallen und wäre machbar.

    Buen Camino
    Peter

  3. Ursula

    Habe schon auf die Fortsetzungen gewartet. Die Fotos und die Beschreibung machen Lust auf den Jakobsweg. Schoene Gruesse unbekannterweise Ursula

  4. Peter Mayr

    Hallo Ursula, das freut mich. Ich kann Dir nur bestätigen - der Weg ist ein wunderbares Geschenk! Schäne Grüße Peter Mayr

  5. Anna Schmid

    Hallo Peter
    Ich finde deinen Bericht ganz spannend zu verfolgen.
    Es macht neugirieg es auch zu tun,noch fehlt mir der Mut.
    Eine schöne Zeit Anna

  6. berger.beate@utanet.at

    Lieber Peter,
    Inge ist nach Wien mit Elsa, Uschi und Horst zu uns nach Graz gekommen. Apfelernte, Wiedersehensfreude und Gespräche -

    Inge meint, sie nimmt sich für nächstes Jahr deinen Weg vor - vornehmen kann man sich ja viel - Kommentar Beate

    Für dich morgen einen wunderschönen Wandertag, wir denken an dich, herzlich Beate und Inge!

  7. Ingeborg Mayr

    Lieber Peter !
    Keine verbotene Wege, sonst werde ich sie auch machen!
    Wir sprechen viel von dir! lg mutti

  8. Beate Berger

    Lieber Peter!

    Inge am Computer, du schaffst wirklich viel, was Motivation betrifft!!!

    Wir haben auch dein Video angesehen mit dem Interview zum Beginn deiner Wanderschaft am Camino.
    Solltest dir auch wieder einmal ansehen und die Gedanken von damals mit den jetzigen vergleichen.

    Ein gutes Wochenende, wir fahren nächste Woche nach Kalifornien,
    Dominik ist schon ziemlich aufgeregt.
    Herzliche Grüße, Beate!

  9. Peter Mayr

    Hallo Beate!
    Du kennst ja Inge, wenn Sie sagt sie macht den Weg nächstes Jahr, dann macht sie ihn. Ich weiß jetzt schon, dass der Küstenweg Mutti gefallen wird. Ich wünsche euch allen einen schönen Urlaub in Kalifornien, bis bald
    Peter

  10. Peter Mayr

    Hallo Mutti!
    Dieser verbotene Weg ist toll! ;-)
    Du wirst ihn lieben nächstes Jahr. Es gibt aber auch zwei Alternativen:
    Einen Umweg von 8 Kilometer :-(
    Eine Zugfahrt von 5 Minuten :-(
    Bu
    Peter

  11. Peter Mayr

    Hallo Anna!
    Danke für Dein tolles Feedback. Ich kann Dir den Weg absolut nur empfehlen. Sollte der Mut Dir noch ein wenig fehlen, so probier es einfach mal aus. Du musst ja nicht den ganzen Weg gehen.
    Liebe Grüße
    Peter

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