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51,8 Kilometer und keinen Schritt mehr!

13.08.2012 | 12 Kommentare

7. August 2012
Heute marschierten wir um 05:30 Uhr los. Wir konnten uns in unseren Einzelzimmern prima erholen und waren alle ausgeschlafen. Die heutige Tour führte uns am schönen Strand von Gerra entlang und begann in völliger Dunkelheit. Der Mond war unsere einzige Lichtquelle. In San Vicente de la Barquera erlebten wir dann einen wunderbaren Sonnenaufgang. Der weitere Weg nach Colombres war traumhaft, was ich von dem letzten Teilstück bis zu unserem Zielort Pendueles nicht behaupten kann. Wir mussten beinahe die ganze Zeit an einer stark befahrenen Landstraße entlang laufen – die LKWs donnerten nur so an uns vorbei. Wir waren heilfroh, dass wir wohlbehalten unsere Herberge erreichten.
Für morgen ist wieder ein neuer Weg geplant. Mittlerweile wandere ich übrigens durch Asturien. Die Hauptstadt Oviedo liegt aber leider nicht am Küstenweg.

San Vincente de la Barquera


Pendueles


Gottesanbeterin

8. August 2012
Um 05:15 Uhr verließen wir drei – Lukas, Vinzenz und ich jeweils mit Stirnlampen ausgerüstet heute Früh unser Quartier. Die Sonne geht jeden Tag circa gegen 07:00 Uhr auf, dennoch brechen wir immer so früh wie möglich auf, da unsere gewählten Etappen doch immer etwas länger sind und es wenig Schatten entlang der Küste gibt.
Die heutige Etappe gehört wieder einmal zu den Schönsten des Jakobsweges. Wir haben uns zwar wieder für eine längere Variante entschieden, aber dafür werden wir durch herrliche Landschaften und malerische Ausblicke entschädigt. Außerdem gibt es etwas, was wir im Überfluss auf unserem Weg dabei haben – ZEIT! Es ist vollkommen egal, ob wir unseren Zielort um 13:00, 14:00 oder erst um 17:00 Uhr erreichen.
Das von uns erhoffte Naturschauspiel blieb uns leider verwehrt. Wir passierten die Stelle, die „Bufones de arenillas“ heißt. Bei günstigen Bedingungen drängen die Wellen schwungvoll in Aushöhlungen im Felsboden ein. Wie bei einem Geysir schießt dann das Wasser bis zu 20 Meter hoch aus dem Boden. Die Fontänen bekamen wir leider nicht zu sehen, es brodelte aber so richtig. Nach Llanes, wo wir ein ausgiebiges Frühstück genossen, ging es weiter entlang der Steilküste. Wir wählten wieder eine Variante, was zwar mehr Kilometer bedeutet. Wir wurden jedoch mit fantastischen Aussichten belohnt. Müde aber glücklich erreichten wir um 16:00 Uhr unseren Zielort Nueva. Morgen versuchen wir möglichst nahe bis Sebrayo zu kommen.

Sonnenaufgang – es gibt viel zu bewundern


Der Küste entlang


Wunderschöner Ausblick

9. August 2012
Das war heute ein harter Tag, aber alles der Reihe nach. Gestern Abend rief mich Antonia an und meinte, es geht ihr gut und sie wolle am nächsten Tag auf mich warten, um gemeinsam weiter zu gehen. Ich lehnte das strikt ab – es kann so viel passieren auf dem Weg –  und 15 Kilometer Vorsprung sind eine gute Sache. Ich sagte ihr, dass wir uns trotzdem sicherlich vor Santiago wieder treffen werden – es kam aber schneller als gedacht.
Lukas, Vincenz und ich starteten wieder um 5:00 Uhr unsere heutige Etappe. Kurz vor Ribadesella hinkte Vincenz plötzlich hinter uns her. Er hatte schon die letzten Tage Probleme mit der Achillessehne, aber heute zog sich der Schmerz bis in den Oberschenkel. Bei unserer Frühstückspause musste er erkennen, dass Weiterlaufen unmöglich ist. Vincenz beschloss bis Sebrayo den Bus zu nehmen. Das hieß für mich und Lukas, dass wir 45,4 Kilometer zurücklegen, um ihn dann wieder zu treffen. Motiviert machten wir uns auf den Weg. In La Isla erreichte uns der Anruf von Vincenz, dass die Herberge in Sebrayo aufgrund eines Wasserschadens geschlossen hat. Wir beschlossen, dass er weiterfährt bis nach Villaviciousa, dort gibt es etliche Pensionen. Für mich und Lukas bedeutete dies allerdings einen Mehrweg von 6,4 Kilometer, aber da wir gut vorankamen, riskierten wir es. Wie motiviert man sich auf so langen Etappen? Zum einen durch die schöne Natur, durch gute Gespräche und zum anderen durch eine eigene Art der Selbstmotivation.

51,8 Kilometer
Auf den langen Steigungen versuchten wir die Mountainbiker zu überholen, was mir und Lukas tatsächlich gelang. Es lief wie geschmiert und die Biker staunten nicht schlecht! Um 18.30 Uhr erreichten wir nach 51,8 Kilometer unseren Zielort Villaviciousa, abgekämpft aber überglücklich. Wir gingen in Richtung unseres Appartements, dass Vincenz für uns reserviert hatte und wer schrie mir nach? Antonia und Oliver. Die Wiedersehensfreude war natürlich groß. Morgen geht es weiter nach Gijon. Ich hoffe, mein Körper hat nach dieser langen Etappe nichts dagegen.

Auf zur Monsteretappe


Es ist heiß!


Ein Zeichen, das ich gerne sehe

10. August 2012
Zu dritt verließen wir heute um 5:15 Uhr unser Appartement. Vincenz scheint dank Schmerztabletten auf dem Weg der Besserung. Da es in Gijon keine Herberge gibt, haben wir gestern Abend noch ein 4er Zimmer vorreserviert – Antonia möchte die Etappe noch mit Oliver, Janka und Franziska gehen und dann zu uns stoßen. Mit dem sicheren Gefühl heute Abend einen Schlafplatz zu haben – das ist auf dem Küstenweg nicht selbstverständlich – marschierten wir los. Nach zwei Stunden Gehzeit, fing Vincenz Fuß wieder an zu schmerzen, ein Weiterkommen war unmöglich. Er musste den Weg bis Gijon mit dem Taxi fahren, wo er auch gleich einen Arzt aufsuchte. Er muss nun eine dreitägige Zwangspause einlegen. Sehr schade für ihn – er hatte alles versucht, aber es sollte nicht sein. Sein Ziel ist es nun, die letzten 100 Kilometer nach Santiago schmerzfrei zu gehen. So setzten Lukas und ich den Weg wieder alleine fort: Die Strecke war wunderschön und wir erlebten einen tollen Sonnenaufgang, unten das Tal lag noch im Nebel. Immer wieder gingen wir bei Bauernhäuser vorbei, bei denen zumeist Hórreos davor standen. Hórreos sind Maisspeicher, die auf waagrechten Steinplatten stehen. Diese verhindern, dass Mäuse in die Maisspeicher eindringen können. Die Hórreos hier in Asturien sind quadtratisch, in Galizien rechteckig. Heute werden sie auch oft als zusätzlicher Wohnraum genutzt.
Wir erreichten Gijon gegen 13:00 Uhr, am Nachmittag traf dann auch Antonia mit Franziska und Janka ein. Die beiden hatten Glück – mit viel Überredungskunst kamen auch sie in unserer Pension unter. Morgen geht es 30 Kilometer nach Salinas.

Wunderschöner Hórreo


Sonnenaufgang mit Nebel im Tal


Die Universität von Gijon

11. August 2012
Antonia, Lukas und ich – leider ohne Vincenz – verließen um 5:20 Uhr unser Nachtquartier. Es ging hinaus aus Gijon entlang dem Sporthafen und Strand. Interessant war, wie viel junge Leute unterwegs waren. Aus des Bars und Discos hörten wir coole Musik, normalerweise auch für mich verlockend, wenn ich nicht gerade auf dem Jakobsweg unterwegs bin. Als wir um 6:00 Uhr eine geöffnete Bäckerei entdeckten, konnten wir natürlich nicht widerstehen und stärkten uns ausgiebig. Danach ging es wieder lange Zeit entlang des Industriegebietes von Gijon. Wir waren froh als wir bei Sonnenaufgang über eine schöne Hochebene mit Eukalyptusbäumen gingen. Kurz nach einer weiteren Pause liefen wir circa 100 Meter in die falsche Richtung. Wir drehten um und wer kam uns entgegen? Stefan und Vanessa. Auch sie haben es bis hier geschafft. Zu Erinnerung: Sie fuhren am zweiten Tag mit dem Zug ins Spital nach Bilbao um sich dort ihre Wunden verarzten zu lassen. Seit dem kämpfen sie sich vorwärts Richtung Santiago.
In der wunderschönen Altstadt von Avilés machten wir eine ausgiebige Mittagsrast bevor es weiterging in Richtung unseres Zielorts Salinas. Dort erwartete uns schon Vincenz, der morgen probieren will, weiter zu gehen. Er wird mit Antonia den direkten Weg nach Soto de Luina gehen, Lukas und ich werden wenn möglich einen Abstecher über das schöne Dorf Cudillero machen.

Raus aus Gijon und weiter über eine Hochebene


Wunderschöne Altstadt von Avilés


Wo liegt Santiago?

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12 Kommentare

  1. Gerald

    Hallo, natürlich ist es schön der Erste zu sein um am frühen Morgen los zu starten um das Tages Pensum so schnell wie möglich zu albsolvieren. Jener Weg hat eigentlich andere Hintergründe um ans Ziel zu kommen, oder besser gesagt man sollte sich für jenen Weg Zeit lassen. Schade das viele noch immer jenen Weg als sportliche Herausforderung sehen. SCHADE.(Bin selber diesen Weg gegangen )

  2. Josef Maria aus D-46045

    Hallo Peter,

    es ist toll zu lesen. Viel interessanter und toller ist es, mit welchem Elan du den Weg gehst. Aller Achtung. Das Ziel kommt langsam näher.
    Ich bin weiterhin gespannt, was kommt.
    Weiterhin eine gute Zeit.

    JM

  3. Robert

    Natürlich bleibt es jedem selber überlassen, wieviel er laufen will, schliesse mich aber Gerald an. Auch ich durfte diesen Weg dieses Jahr geniessen, bin aber froh, dass ich mir soviel Zeit gelassen habe, dass Blasen und Achillesbeschwerden fern blieben und so auch jeden Tag Zeit ausreichend Zeit hatte, neben camino auch Städte, Dörfer und Kultur zu erkunden. Genau das ist es, was im Alltag meist fehlt.
    Vincenz nahm dieses Tempo wohl auf sich, damit er nicht zurück bleibt, musste aber zu grosse Defizite eingehen, die ihn nun von der Gruppe und auch vom Camino trennen. Wenn die Gruppe so schnell unterwegs ist, dass Mitglieder auf der Strecke bleiben, so sollte sie doch gerade am Camino die Geschwindigkeit drosseln.
    Geniesst den Camino - bei dem Tempo bleiben euch nicht mehr viele Tage

  4. christian loretz

    Ola, Peter
    bin begeistert von deiner art zu schreiben und von den wunderschönen Fotos. das erweckt ja so richtig die Sehnsucht in mir, wieder auf dem Jakobsweg zu gehen. BUEN CAMINO!!Herzliche Grüsse aus Breasilien Christian

  5. Peter Mayr

    Ola Christian,
    ich bin begeistert! Du liest meinen Blog aus Brasilien!? Danke für die netten Worte. Vielleicht treffen wir uns ja mal irgendwann mal in den nächsten Jahren auf dem Jakobsweg - wer weiss!
    Beste Grüße
    Peter Mayr

  6. Peter Mayr

    Hallo Gerald,
    Du hast absolut Recht. Der Jakobsweg hat nichts mit Sport im herkömmlichen Sinn zu tun.
    Ich persönlich genieße es in den Sonnenaufgang zu laufen, die Natur beim Aufwachen zu erleben und die ganze Energie des Morgens zu spüren. Ich stehe immer ganz ohne Wecker auf - lasse mich treiben. Jeder muss auf dem Weg seinen ganz persönlichen Rhythmus finden. Der Weg ist das Ziel und damit das Schöne was er einem ganz persönlich gibt.
    Schöne Grüße
    Peter Mayr

  7. Leila

    Hallo Peter!

    Wunderschöne Bilder! Und Dein Tagebuch ist immer wieder spannend zu lesen. Ich warte immer regelrecht drauf!
    Geniess die Zeit noch und lass es Dir gut gehen.
    Liebe Grüße
    Leila

  8. Peter Mayr

    Hallo Josef Maria,

    unglaublich wie die Zeit vergeht. Ich bin nun schon über 7 Wochen unterwegs. Ich kann gar nicht glauben, dass ich nur mehr 3 Wochen vor mir habe. Ich genieße jeden Tag am Weg. Es ist eine wunderbare Zeit die ich nie vergessen werde.

    Schöne Grüße
    Peter Mayr

  9. Schaut wirklich toll aus!

  10. Beate Berger

    Spannend, deine Wegbeschreibungen zu lesen. Eine gute Zeit für dich, wir denken an dich, herzlich, die Bergers!

  11. Pilgern heisst mit den Füssen beten also bleibt die eine oder andere Blessur nicht aus,dennoch jeder sollte auf sein eigenes Tempo achten und der Weg trennt einem sowieso vom anderen wenn etwas nicht okay ist. Also cool bleiben und pilgern :-)lg Edi Sylvia

  12. Peter Mayr

    Hallo Leila!
    Freut mich total, dass Dir meine Berichte gefallen. Es ist einfach nur schön. Liest Martin die Berichte auch? Der Weg wäre was für ihn! ;-)
    Liebe Grüße an alle
    Peter

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