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Noch 195 Kilometer bis Santiago!

16.08.2012 | 8 Kommentare

12. August 2012
Heute starteten wir unsere 34 Kilometer lange Etappe erst um 6:00 Uhr, denn es gab bereits ab 5:30 Uhr Frühstück und das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Es ging dann in Richtung Santiago del Monte und weiter nach El Pito. Der Weg führte heute zum Teil über Asphaltpisten, zum Teil über schöne Pfade. Nachdem wir in El Pito unsere Mittagsrast gemacht hatten, trennten wir uns. Antonia und Vincenz gingen den direkten Weg nach Soto de Luina. Lukas und ich den geplanten Umweg über das Dorf Cudillero, was sich absolut bezahlt machte. Der Hafen dieses wunderschönen Dorfes liegt eingezwängt zwischen den Bergen, die Häuser drängen sich den Hang hinauf. Weiter ging es dann der Küste entlang bevor der Weg wieder ins Landesinnere führte. Nach einer kurzen Rast in La Magdalena wies uns ein spanischer Pilger darauf hin, das wir über die Bundesstraße gehen sollten, wir würden so eine Abkürzung machen. Er mache das schon den ganzen Tag – auf der Bundesstraße bis hierher in 5 Stunden und 30 Minuten. Wir gingen natürlich nicht auf der Bundesstraße! Ist das Pilgern? So schnell wie nur möglich von A nach B zu kommen? Für mich persönlich ein absolutes NEIN, aber jede/r so wie er/sie es will.
Kurz bevor wir Soto de Luina erreichten, bekamen wir den Anruf von Vincenz, dass die Herberge mit 45! Schlafplätzen voll ist. Wie ist das möglich? Heute haben uns fünf Pilger überholt.
 Morgen geht es über 40 Kilometer nach Almuna.

El Pito


Umweg über Cudillero


Weiter gehts über den schönen Küstenweg

13. August 2012
Der heutige Tage war bis Mittag nur anstrengend, danach auch noch schön. Wir vier beschlossen gestern Abend die heutige Etappe Punkt 5:00 Uhr zu starten. Warum? Die ersten 24,7 Kilometer mussten wir beinhart auf der alten Landstraße N-632 gehen. Man kommt zwar zügig voran, aber der Asphalt setzt dem Körper ziemlich zu. Positiv war, dass vielleicht insgesamt 10 Autos an uns vorbeifuhren. Da wir einen klaren Sternenhimmel hatten, verzichteten wir auf die Stirnlampen und schalteten diese nur ein, wenn sich ein Auto näherte. Einmal wurden wir aber erschreckt: Ich hörte seitlich Geräusche und schaltete deshalb meine Lampe ein. Und was sah ich? Wildschein- Frischlinge, die natürlich sofort Reißaus nahmen. Ich glaube, die waren gleicherschrocken wie wir. Zum Glück war das Muttertier nicht in unmittelbarer Nähe. Nach Cadavedo konnten wir endlich die Landstraße hinter uns lassen. Es ging wieder über Pisten, Pfade und schöne Waldwege weiter. Wir entschlossen uns heute nicht nach Almuna zu gehen, sondern die Variante über Luarca. Luarca liegt direkt am Meer, so konnten wir den restlichen Tag in schöner Atmosphäre verbringen, was wir auch machten. Nach einem guten Essen in einem der zahlreichen Hafenrestaurants besuchten wir noch ein Meeresmuseum. Hier sind Riesenkraken mit einer Länge bis zu 13 Meter zu bestaunen. Ich wusste gar nicht, dass diese Tiere vor der Küste Spaniens vorkommen.
Unser morgiges Ziel steht noch nicht fest, 35 Kilometer wollen wir aber gehen.

Luarca


Ultraia – immer weiter!


Gemütliches Essen im Hafenrestaurant

14. August 2012
Heute verließen wir um 5:15 Uhr in Regenklamotten unsere Pension – es regnete kräftig aber zu unserem Glück nur zwei Stunden. Danach riss es auf und die Sonne zeigte sich immer wieder. Durch den Regen hatte es aber den ganzen Tag eine hohe Luftfeuchtigkeit. Heute erreichten wir unser erstes Santiago – ein kleiner Ort in Asturien. Wir beschlossen   bis nach La Caridad zu gehen, das sind circa 29 Kilometer. Für uns heute genau richtig, wir wir sind alle nicht in Stimmung für mehr. Vincenz geht es wieder ganz gut, er hat sich gestern neue Schuhe gekauft. Nach nur einem Tag Pause geht er wieder mit uns mit. Am Nachmittag hatte Antonia noch Glück: Unsere Herberge liegt außerhalb und für vier Euro gibt es einen Shuttelservice in das nächste Dorf und wieder retour, um dort das Pilgermenü zu essen. Beim Einsteigen ins Auto hielt sich Antonia außen an der Tür fest. Lukas, der vorne saß, schloss aber seine Tür. Antonias Hand war in der Autotür eingeklemmt. Wie durch ein Wunder ist absolut nichts passiert, obwohl man danach noch die Druckstellen sah!
Morgen haben wir unsere letzte Etappe der Küste entlang. Danach geht es von Ribadeo aus durch das Landesinnere nach Santiago. Wenn ich mir etwas wünschen darf, dann für morgen nochmals tolles Wetter, wenn wir an der Küste pilgern.

Aufgefädelt


Naturgärtnerei


Pilgerbrunnen

15. August 2012
Wir verließen heute um 5:00 Uhr die Herberge in La Caridad, was uns nicht wirklich schwer fiel – nichts gegen die Herberge, aber die gehörte nicht zu den gepflegtesten auf der Strecke. Wir wählten auch an diesem Tag wieder eine Variante abseits der Landstraße und erreichten als erstes den Ort Tapia de Casariego. Nach einem guten Frühstück trennten sich unsere Wege wieder. Vincenz und Antonia nehmen den direkten Weg nach Ribadeo. Lukas und ich können vom Küstenweg einfach nicht genug bekommen und wählten wiederum eine Variante der Küste entlang – bis Ribadeo ist es das letzte Mal auf dem Camino de la Costa. Danach heißt der Weg dann Camino Norte.
Es war wieder eine gute Wahl die Variante zu wählen. Dieser Streckenteil gehört mit Sicherheit zu den schönsten Teilen des Weges. Außerdem wurde mein Wunsch nach schönem Wetter erhört: Bilderbuchwetter mit Sonnenschein, weißen Wolken und dazu ein erfrischender Wind. Lukas und ich ließen uns richtig treiben. Man merkte uns glaub ich beiden an, dass wir wussten jetzt ist Schluss mit Meeresblick. Wir schossen viele Fotos, setzten uns in die Wiese und genossen ganz einfach die Stimmung. Kurz nach Santa Gadea kehrten wir in einer Strandbar ein. Da die Personen an unserem Nebentisch auch Deutsch sprachen, begannen wir eine Unterhaltung. Irgendwie kam mir der Dialekt bekannt vor – Vorarlbergerinnen! Andrea aus Schnifis und Katharina aus Düns sind von Gijon auf dem Weg nach Santiago. Für Katharina ist es das erste Mal, für Andrea bereits das dritte Mal. Ich denke wir werden uns noch öfter über den Weg laufen. 
Nachdem wir die Brücke nach Ribadeo überquert hatten, erreichten wir Galicien! Galicien ist eine autonome Gemeinschaft im Nordwesten Spaniens dessen Verwaltungssitz in Santiago de Compostela ist. Es ist nicht mehr weit – circa 195 Kilometer liegen noch vor uns. Galicien ist sehr grün, das es oft regnet. Ich bin gespannt, ob ich wieder so ein Wetterglück habe, wie die Jahre zuvor. Galicien heißt aber auch Berge und somit viele Höhenmeter. Die nächsten Tage werden also wieder anstrengend. Wenn alles glatt geht wird es ungefähr 10 Tage dauern bis ich in Finisterre das Meer wieder sehe. Zur Zeit bin ich absolut happy, diesen Weg begonnen zu haben. Die Faszination der unterschiedlichen Landschaften, Menschen, Begegnungen usw. tut einfach nur gut. Danke Bruni, danke aber auch meinem pm-Team!

Eine letzte Variante der Küste entlang


Vorarlbergertreffen mit Andrea und Katharina


Ohne Worte!

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8 Kommentare

  1. ja Peter die letzten 195 km sind sicher auch ganz schön Galicien ist sehr schön zu pilgern und jetzt bist du ja voll drinnen und die Distanzen können dir nichts mehr anhaben. Da fällt schon vieles von den Schultern und körperlich scheint es dir auch gut zu gehen.Weiterhin Buen Camino lg
    Edi & Sylvia

  2. Peter Mayr

    Hallo Sylvia! Hallo Edi!
    Ich möchte mich zuerst bei euch bedanken für eure “Begleitung”.
    Ja, Galicien ist wunderschön, als Vorarlberger freut man sich sowieso auf die Berge. :-)
    Körperlich geht es mir heuer wirklich ausgesprochen gut, besser als 2010 und 2011. Das mit den Distanzen ist so eine Sache, es geht natürlich viel einfacher als wie zu Beginn, aber es kann auch schnell mal was passieren.
    Liebe Grüße
    Peter

  3. ronni

    servus peter, bin grad über deinen blog gestolpert. so aus der ferne klingt es sehr verführerisch. vielleicht schaff ich es auch mal. erzählst mir mal deine erfahrungen bei einem glas wein. liebe grüsse ronni

  4. Peter Mayr

    Servus Ronni!
    Mache ich doch gerne, es gibt da viel zu erzählen. Ich denke, ein Glas wird da nicht reichen.
    Liebe Grüße
    Peter

  5. Franziska

    Lieber Peter
    Wow, Du kommst Deinem Ziel immer näher. Geniesse die Zeit, die Dir bleibt in vollen Zügen!
    Mit den besten Wünschen
    Franziska

  6. Peter Mayr

    Hallo Franziska,
    ist ist und bleibt eine super Erfahrung. Der Weg und seine Energie! Ich genieße es wahrlich!
    Beste Grüße
    Peter

  7. Josef Maria aus D-46045

    Lieber Peter,

    wahrscheinlich bist du inzwischen kurz vor dem Ziel. Mit Spannung warte ich auf dein letztes Tagesbuch.
    Es wird für dich sicherlich wieder ein tolles Erlebnis sein, nach dieser langen Strecke in Santiago di Compostella einzutreffen und unter vielen Pilgern genannt zu werden.
    Herzlichen Glückwunsch.
    Vielleicht sehen wir uns ja mal im Ländle.

    Bis bald und herzliche Grüße

  8. Peter Mayr

    Hallo Josef Maria,
    ich bin da - es ist ein herrliches Gefühl. Aber so viel sei verraten. Ich bin noch nicht am Ziel und es wird noch mehr wie einen Blogbeitrag geben!

    Beste Grüße
    Peter

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