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ANGEKOMMEN – was für ein Gefühl!!

22.08.2012 | 11 Kommentare

16. August 2012
Auch die zwei Vorarlbergerinnen Andrea und Katherina kamen gestern am späten Nachmittag auch noch in unsere Herberge in Vilela. Am Abend trafen wir uns noch in einer   Bar, es gab natürlich viel zu erzählen.
Auch die heutige Etappe starteten wir vier wieder kurz nach 5:00 Uhr. Von der Herberge aus ging es gleich bergauf, was sich in den nächsten Stunden auch nicht ändern sollte, wenngleich es aber nicht sehr steil war. Kurz vor 9:00 Uhr erreichten wir den Ort Gondán, leider hatte die örtliche Bar noch zu. Eine Rast hatten wir aber bitter nötig, die Füße brauchten Frischluft. So setzten wir uns draußen an die Tische. Und siehe da: 10 Minuten später öffnete die Bar und wir bekamen unser wohlverdientes Frühstück. Danach ging es weiter durch Eukalyptuswälder, die natürlich sehr intensiv riechen. Diese Eukalyptus Monokulturen werden hier jedoch nicht so gerne gesehen. Erstens sind sie leicht entflammbar und in Galicien kommt es sehr oft zu Waldbränden. Zweitens schälen sich diese Bäume von Natur aus selbst und nichts anderes kann wachsen.
Gegen 13:00 Uhr erreichten wir nach 30,5 Kilometer unsere schöne Herberge in Mondonedo. Nach dem Mittagessen besuchten wir natürlich die Kathedrale. Morgen geht es circa 35 Kilometer weiter durch die Berge nach Vilalba.

Morgenstimmung in Galicien


So ein Zugtier wäre manchmal toll


Die Kathedrale von Mondonedo

17. August 2012
Die heutige 39,2 Kilometer lange Etappe war wieder wunderschön, wenngleich auch sehr anstrengend. Warum anstrengend? Aus zweierlei Gründen: Erstens ging es in der Früh gleich mal einige Stunden nur bergauf. Zweitens verlängerte sich die Etappe durch den Bau einer Autobahn, da dadurch ein Umweg von 3 Kilometer gemacht werden muss. Nachdem wir den Aufstieg geschafft hatten, wurden wir dafür mit einem wunderschönen Sonnenaufgang belohnt. Weiter ging es über Feldwege und wieder durch Eukalyptuswälder. Dies ist besonders schön, wenn die Sonne in die Wälder reinleuchtet – die Blätter schimmern dann richtig silbern.
Interessant sind in dieser Region auch die Friedhöfe. Auf jedem Grab sind riesige Steinkreuze. Dies hat keltische Ursprünge und geht auf den Geisterglauben zurück. Einen Wermutstropfen gab es heute allerdings auf der Etappe. Die Herberge in Vilalba war schon voll – bereits um 11:00 Uhr mussten Pilger abgewiesen werden! Wir fanden Unterkunft in einer kleinen Pension, die von drei rüstigen älteren Damen – wir schätzen sie auf 80 Jahre aufwärts – geführt wird. Gegenüber war ein Waschsalon, den wir gleich aufsuchten. Es ist einfach herrlich nach etlichen Wochen der Handwäsche wieder einmal „duftende“ T-Shirts usw. zu besitzen. Am späteren Nachmittag kamen dann auch noch Andrea und Katherina. Es läuft auch bei ihnen prima und sie kommen gut voran. Morgen wollen wir nach Miraz, das sind 35 Kilometer.

Nach dem Aufstieg mit Sonnenaufgang belohnt


Eukalyptuswald


Typischer Friedhof


Lukas im Sonnenscheinwerfer

18. August 2012
Nach perfektem Schlaf machten wir uns heute gut gelaunt auf zur nächsten Etappe. Wir mussten allerdings rasch einen ersten Stopp einlegen – Nebel! Also raus mit den Jacken und weiter ging es. Es war heute für die Jahreszeit schweinekalt. Es hatte gerade mal 16 Grad. Wir waren froh, als wir um 9:00 Uhr die erste Bar erreichten. Nach einer ausgiebigen Frühstücksrast gingen wir nun bei Sonnenschein weiter. In Baamonde schauten wir uns die geschnitzte Madonna in einem Baumstamm an – interessant was es alles gibt! Kurz vor Eirexe erreichten wir den Kilometerstein 100. Ab jetzt geht’s zweistellig Richtung Santiago!
Der weitere Weg führte uns nach Miraz. Es war wunderschön, aber sehr heiß, wieder waren es 36 Grad. Dort angekommen teilte man uns wieder mal mit, dass die Herberge voll ist und es auch in der Kirche keine Übernachtungsmöglichkeit gebe. Dort hatte bereits eine Jugendgruppe Herberge gefunden. Es ist wirklich interessant: Man sieht Pilger, die die Herberge nicht vor 7:00 Uhr verlassen, aber immer rechtzeitig in der neuen Herberge ankommen und ein Bett ergattern. Was tun? Wir beschlossen 4,5 Kilometer weiter in den nächsten Ort zu pilgern und von dort ein Taxi zurück nach Eixere zu nehmen, wo wir in einer Herberge eine Unterkunft buchen konnten. Morgen lassen wir uns dann vom Taxi wieder dahin zurück bringen, wo wir heute aufhören mussten. Dann wollen wir weiter nach Arzúa gehen – der erste Ort am Camino francese – und hoffen dadurch unser Herbergen-Problem gelöst zu haben.

In den Baum geschnitzte Madonna


Der 100-Kilometerstein


Der heutige Tag ist geschafft!

19. August 2012
Pünktlich wurden wir heute um 4:45 Uhr von unserem Taxi abgeholt. Unser gestriger Taxifahrer hatte uns gebeten für heute Früh ein anderes Taxi zu buchen, da er am Abend auf eine Fiesta geht. Unser heutiger Fahrer hatte allerdings das gleiche Problem wie der gestrige das „riesige Dorf“ Brana, das aus genau einem Haus besteht, zu finden. So irrten wir mit dem Taxi in der Pampa umher, unser freundlicher Spanier blieb aber gut gelaunt.  Gegen 5:15 Uhr hielt er schließlich vor einem Haus, klopfte den Besitzer heraus und fragte nach dem Weg – und das in Spanien, wo alle gewohnt sind, lange zu schlafen! Danach ging es zackig. Keine fünf Minuten später konnten wir unseren Pilgerweg fortsetzen. Am Vormittag erreichten wir Sobrado dos Monxes, wo sich das erste spanische Zisterzienserkloster befindet. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es weiter in Richtung Arzúa, wo der Camino Norte auf den Camino francese trifft. Ich war froh angekommen zu sein, mein rechter kleiner Zeh schmerzt. Er ist zwar blasenfrei, hat aber kaum Platz im Wanderschuh. 
Morgen werden wir bis Monte do Gozo gehen, das liegt genau 4,7 Kilometer vor Santiago. Ich werde es gleich machen wie bereits in den Jahren 2010 und 2011: Es gibt nichts schöneres als in der Früh in die schlafende Stadt Santiago einzulaufen. Die Stadt ist dann noch sehr ruhig und in der Kathedrale herrscht angenehme Stille. Antonia, Lukas und Vincenz wollen es mir gleichtun. Hoffen wir, dass morgen alles gut geht und wir dann am Dienstag Santiago erreichen dürfen. Auch wenn es mein drittes Mal ist, bin ich doch ein wenig angespannt.

Bestes Wetter in Galicien


Zisterzienserkloster in Sobrado dos Monxes


Immer weiter Richtung Arzúa

20. August 2012
Um 5:15 Uhr machten wir uns zu unserer letzten Etappe vor Santiago auf. Jeder von uns ist natürlich voller Vorfreude. In Wirklichkeit aber ist die heutige Etappe eine der schwierigsten zu Gehen. Landschaftlich ist die Strecke wunderschön – es geht immer wieder durch Hohlwege und Eukalyptuswälder. Es ist eine mentale Angelegenheit: Jeder will diese Etappe beendet wissen, dann sind es ja nur mehr 4,7 Kilometer bis zum Ziel, die Kathedrale in Santiago. Ich kenne die heutige Etappe bereits aus den vergangenen zwei Jahren, das ist natürlich ein Vorteil. Der Nachteil ist aber, ich kenne bzw. weiß genau wo die „eintönigen“ Streckenabschnitte sind. Wir machten heute viele und vor allem auch lange Pausen. Wir brauchten das, denn der Weg hat sich gezogen. Wir waren alle überglücklich am Papstdenkmal am Monte do Gozo (Berg der Freude) angekommen zu sein. Dieses wurde zu Ehren des Papstbesuchs von Johannes Paul II im Jahr 1982 errichtet. 1982 war zwar kein heiliges Jahr, das war 1983. Ein heiliges Jahr ist immer dann, wenn der Jakobstag (25. Juli) auf einen Sonntag fällt. Zuletzt war dies 2010 der Fall, als auch ich in Santiago war. Das nächste heilige Jahr ist im Jahr 2021. 
Anschließend suchten wir die Herberge am Monte do Gozo auf. Manuel, der nette Hospitaliero und Jahrgänger von mir, tat zumindest so, als ob er mich wiedererkennen würde und gab uns vier Einzelzimmer. Heute werden wir früh schlafen gehen – alle freuen sich auf morgen!

Unsere erste lange Pause


Papstdenkmal am Monte do Gozo


Der superfreundliche Hospitaliero Manuel

21. August 2012
ANGEKOMMEN – was für ein Gefühl! Es ist natürlich nicht mehr das Gefühl wie im ersten Jahr 2010 – das ist einzigartig – aber es ist einfach nur wunderschön, die pure Freude!
 Auch die 4,7 Kilometer lange Strecke heute Morgen von Monte do Gozo nach Santiago de Compostela waren super zu laufen. Der Weg wird zur Nebensache, die Freude auf das was kommen wird, übertrumpft alles. Wir starteten heute um 6:20 Uhr, sodass wir in der Morgendämmerung Santiago erreichten. Da ich mich ja schon auskannte, gingen wir sofort zum Pilgerbüro und deponierten unsere Rucksäcke. Wir waren die Ersten, damit hatten wir nicht gerechnet, da viele schon um 5:00 Uhr lospilgerten. Danach gingen wir in die Kathedrale. Ich bin gespannt, ob heute bei der Pilgermesse um 12:00 Uhr der große Weihrauchkessel wieder durch das gesamte Kirchenschiff geschwungen wird oder nicht. Das ist reine Glücksache, doch bisher hatte ich immer Glück. Ich ging noch in die Krypta, wo die Gebeine des heiligen Jakobs liegen. Anschließend frühstückten wir vier gemeinsam. Pünktlich um 9:00 Uhr waren wir zurück bei unseren Rucksäcken vor dem Pilgerbüro – die Schlange davor war mittlerweile sehr lang – denn jetzt wollten wir natürlich unsere Compostela (offizielle Pilgerurkunde) abholen. Danach wurden Erinnerungsfotos geschossen und wir machten uns auf die Suche nach einer Pension.
Die heilige Messe  – es war ein unbeschreibliches Gefühl. Zu Messbeginn werden immer die Anzahl der neu angekommenen Pilger, deren Nationalität und von wo aus gestartet wurde, vorgelesen. „Uno Austriaco, Le Puy“ – Gänsehautfeeling pur. Und wir hatten Glück, auch heuer wurde der Weihrauchkessel geschwungen. 
Morgen gibt es für mich einen Ruhetag. Am Donnerstag pilgere ich dann weiter „ans Ende der Welt“, nach Finisterre und Muxia.

Wir sind bereit für den Einmarsch in Santiago


Rucksackschlange vor dem Pilgerbüro


Lang ist er geworden, mein Pilgerpass


Nur happy!


Weihrauchzeremonie

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11 Kommentare

  1. Leila

    Super gemacht Peter! Aber jetzt kannst du dir auch was zum Essen gönnen, du siehst nämlich ziemlich mager aus ;-)) LG. Leila

  2. Peter Mayr

    Hallo Leila,
    Danke für die Glückwünsche. Das mit dem Essen muss noch warten, habe noch 9 Gehtage vor mir! ;-)
    Liebe Grüße aus Santiago
    Peter

  3. :-) :-) :-) ein gutes Gefühl,wir wissen das u fühlen voll mit dir mit.Gratulation aus Koblach !!! Jetzt darfst kannst du dich noch auf das Ende der Welt freuen,welches noch auf dich wartet.Wir selber planen schon fest auf Juli 2014.Lg u bis bald hier im Blog Edi und Sylvia

  4. Herzliche Gratulation Peter zur Erreichung des Pilgerzieles und DANKE für die sehr interessanten und spannenden Berichte. Auch von mir Grüße an den Hl Jakobus. Noch schöne ERlebnisse bei den nächsten Zielen und eine gute Heimkehr.
    Liebe Grüße Jakob

  5. Go Go

    Lieber Peter, seit dem Beginn Deiner Tour lese ich voller Bewunderung Deinen Blog. Mich fasziniert Dein Weg, Deine Geschichten, die wunderbaren Bilder (sie könnten etwas größer sein) und vorallem Deinen Mut für so lange Zeit die private als auch die Arbeitswelt hinter Dir zu lassen. Hast Du schon mal daran gedacht Deine Gedanken weiter auszuführen und ein Buch zu schreiben!? Ich wäre einer der ersten Käuferinnen!
    Alles Gute auf Deinen letzten Tagen
    Go Go

  6. Wiltrud Sohler 6863 Egg-Hinteregg

    Hallo Peter,auch ich habe immer ganz gespannt auf deinen neuen Blog gewartet.Danke daß du mich auf deinem Weg mitgehen hast lassen.
    Vielleicht treffen wir uns einmal in Schwarzenberg oder Umgebung
    liebe Grüße Wiltrud

  7. Hallo Peter.Auch ich habe Deine Berichte gelesen.Hut ab vor der tollen Leistung.
    Lieb Grüße Wolf

  8. Peter Mayr

    Liebe Freunde,
    vielen lieben Dank für die netten Worte und die herzlichen Wünsche. Das motiviert mich noch mehr!

    @ KLangzauber: Werde mich fast live vom “Ende der Welt” melden - das wird noch eine coole Sache.
    @ Jakob: danke für die Wünsche - noch bin ich unterwegs. Bis zur Heimreise dauert es noch ein wenig.
    @ Go Go: Wow was du mir zutraust - ein Buch. Das wäre eine große Sache, wer weiss was die Zukunft bringt ;-)
    @ Wiltrud: Ja klar treffen wir uns mal am Schwarzenberg - freue mich schon :-)
    @ Wolf: Den Hut darfst Du gerne auflassen. Mir macht das Ganze hier so viel Spaß!

    An alle - schöne Grüße und bis bald
    Peter Mayr

  9. Josef Maria aus D-46045

    Lieber Peter,

    mit deinen Berichten und Bildern hast du weiter ein Feuer geschürt, dass auch ich den Weg mal gehe, wahrscheinlich später als Rentner.
    Jedenfalls hat es mir großen Spaß bereitet.
    Für die restlichen erholsamen Tage viel Freude,
    für zu Hause im Ländle eine gute Zeit.
    Sollte ich nach Schwarzenberg kommen, werde ich versuchen, dich zu finden.
    Herzliche Grüße Josef Maria

  10. Astrid aus Zell am See

    Hallo Peter !
    Du wirst dich wundern , wir haben uns,glaube ich einmal gesehen.
    Bin gestern bei deiner Mutti gewesen,habe deine Blogadresse
    bekommen,bin ganz begeistert,bekomme auch gefallen ,an so einer Pilgerwanderung,glaube ich werde mich auch einmal auf den Weg machen.Ganz liebe Grüsse,viele Erkenntnise und auf die letzten Kilometern.

  11. Peter Mayr

    Liebe Astrid,
    Ich freue mich, dass Dir mein Blog gefällt. Lass mir Zell am See bitte grüßen!
    Ganz liebe Grüße aus Finesterre
    Peter

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