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0,0 Kilometer – am “Ende der Welt”!

27.08.2012 | 7 Kommentare

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Peter Mayr am \”Ende der Welt\”

23. August 2012
Ich haben meinen ersten kürzeren Aufenthalt in Santiago sehr genossen. Vor allem der gestrige Ruhetag hat mir sehr gut getan: Gemütliches Frühstücken, durch die vielen kleinen Gassen schlendern, den verschiedensten Musikern zuhören – Entspannung pur. Auch Andrea und Katharina habe ich wieder getroffen. Sie sind auch am 21. August in Santiago angekommen. Santiago hat zwar 95.000 Einwohner, aber man trifft alle Pilger wieder, die man sehen will. Richtig gefreut hab ich mich, als ich gestern einen Franzosen traf, den ich in der ersten Woche meiner Pilgerschaft kennengelernt habe. Heute Morgen hieß es wieder Abschied nehmen. Lukas und Vincent fliegen heute zurück, Antonia morgen. Wir gingen ein letztes Mal gemeinsam frühstücken. Um 9:30 Uhr machte ich mich dann auf in Richtung „das Ende der Welt“. Mein Zielort heute heißt Negreira. Da meine rechte kleine Zehe „Probleme“ macht, hab ich mir neue leichtere Trekkingschuhe gekauft. Mit diesen läuft es sich viel besser. Die Strecke nach Negreira ist viel auf Asphalt, es geht aber auch immer wieder durch Eukalyptuswälder. Mein persönlicher Höhepunkt auf dieser Etappe war das schöne Dorf Ponte Maceira – mein absolutes Lieblingsdorf auf dem Camino. Gegen 14:00 Uhr erreichte ich die superschöne Herberge San Jose, in der ich bereits 2010 und 2011 übernachtet hatte. Stefan und Vanessa waren schon hier und habenmir ein nettes „Platzerl“ reserviert. Außerdem sind sie bereits am Kochen für uns. Das nenn ich mal ein Verwöhnprogramm! Morgen geht es dann weiter nach Olveiroa.

Schöne Wege


Unerwartetes Wiedersehen mit Borge


Mein Lieblingsdorf Ponte Maceira

24. August 2012
Was für ein Tag! Aber alles der Reihe nach: Stefan, gelernter Koch und Hotelier, hatte gestern Abend für uns einen leckeren Eintopf gekocht. Der gibt Kraft für die nächste Etappe. Am Abend lernte ich noch Zita aus Ungarn kennen. Sie ist ebenfalls in Irun gestartet, ging dann aber den Camino Primitivo. Im Gespräch bemerkten wir auch, dass wir eine gemeinsame Camino-Bekannte haben. Spontan verabredeten wir, die nächste Etappe zusammen zu gehen. Am nächsten Morgen schaute ich kurz nach 5:00 Uhr aus der Herberge raus – kein Regen, obwohl der Wetterbericht starken Regen voraus gesagt hatte. Wieder mal Glück! So starteten Zita und ich gutgelaunt unsere 35,7 Kilometer lange Etappe. Aber es sollte doch anders kommen. Nach circa 1,5 Stunden setzte starker Regen ein, also Rucksack runter und das Regencape zum ersten Mal auf dem Camino raus. Starker Wind kam auf, der Regen peitschte uns zum Teil waagrecht ins Gesicht. Jede Bar, die heute am Weg lag und die geöffnet hatte, suchten wir auf, um uns mit Tee zu stärken. Das Schöne an der Situation war, dass wir beide nicht unseren Humor verloren. Irgendwann halfen auch die besten Schuhe nichts mehr – in jedem Schuh bildete sich ein kleiner See. Als sich Blasenbildungen abzeichneten, zog ich meine Trekkingschuhe aus und meine absolut verhassten „Adiletten“ an. Für mich sind Adiletten zwar die bequemsten Freizeitschuhe am Jakobsweg – Flip Flops schmerzen mir zwischen den Zehen – aber jeder weiß halt gleich, oder glaubt zu wissen, woher man kommt  ;)! Mit diesen bequemen Tretern, und abschnittweise barfuß, erreichte ich Olveiroa. Morgen geht es nach Finisterre, das Wetter sollte wieder gut sein.

Horreo


Vollkommen durchnässt


Kirche von Olveiroa

25. August 2012
Als Zita und ich heute Morgen zu unserer Etappe aufbrachen, nieselte es leicht. 10 Minuten später setzte heftiger Regen ein – also wieder Regencape raus. Zum Glück waren es einzelne Schauer und kein Dauerregen wie gestern. Nach circa einer Stunde Gehzeit kamen wir zu einer Bar, wo wir auch frühstückten. Kurz nach der Bar erreichten wir eine Stelle, wo sich unsere Wege trennten. Zita ging den Weg rechts, sie wollte zuerst nach Muxia. Ich ging links, mein Weg soll mich zuerst nach Finisterre bringen. Die weitere Strecke war wunderschön: Es ging entlang eines riesigen Hochplateaus bis man kurz vor Cée plötzlich wieder ans Meer kommt. Dies ist ein toller Augenblick, vor allem für all jene Pilger, die wochenlang am Camino francese durch das Landesinnere pilgerten. Der letzte Teil des Weges nach Finisterre ist nochmals ein Strandabschnitt. Als ich ins Dorf hineinlief, wer kam mir entgegen? Fran, ihm gehört die Piratenbar im Ort. Letztes Jahr, als ich das zweite Mal hier war, sagte er zu mir: „Ich kenne dich, du warst letztes Jahr auch hier.“ Und auch heuer, mitten im Ort, stürzte er sogleich auf mich zu. Ich freute mich riesig! Am Abend gingen Vanessa, Stefan und ich noch rauf auf das Kap, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Richtig, ich habe total vergessen zu erwähnen, dass das Wetter immer besser wurde. So konnten wir einen wunderbaren Sonnenuntergang beobachten. Morgen geht es weiter nach Muxia.

Zita rechts nach Muxia, ich links nach Finisterre


Finisterre


0,0 Kilometer


Sonnenuntergang am “Ende der Welt”

26. August 2012
Stefan, Vanessa und ich brachen heute nach dem Frühstück um 7:00 Uhr zu unserer Etappe nach Muxia auf. Das Besondere an dieser Etappe war, dass wir ohne Rucksäcke gingen. Wir ließen sie in unserer Pension in Finisterre zurück, weil wir am Nachmittag dorthin zurückkehrten. So flogen wir regelrecht nach Muxia!
Mir persönlich gefällt Muxia bzw. das Heiligtum vom Muxia besser als Finisterre. Der Legende nach, soll hier die Jungfrau Jakobus erschienen sein. Ihr ist die schlichte Steinkirche auf der Landspitze von Muxia gewidmet. Da heute Sonntag war, waren „leider“ sehr viele Besucher hier. Da hatte ich letztes Mal mehr Glück – ich hatte diesen Ort fast für mich alleine. Am Abend gingen wir drei nochmal rauf auf das Kap. Wir wollten es der alten Pilgertradition gleichtun und ein Kleidungsstück von uns verbrennen, was wir auch taten. Morgen machen wir einen Ruhetag bevor es am Dienstag dann auf dem Camino inglese weitergeht.

Das Heiligtum von Muxia


Wieder am Kap


Pilgerritual

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7 Kommentare

  1. Paco

    Hallo Peter,

    habe jeden Blog aufmerksam gelesen und möchte dir ein ganz großes Kompliment aussprechen ! Super Bericht, werde den Camino auch wieder einmal machen !
    Vielen Dank und gute Heimreise !

  2. Leila

    Hallo Peter!

    Deine Reise geht dem Ende zu, oder? Wir freuen uns schons sehr auf deine Erzählungen. Das können wir dann mit Ronny kombinieren.
    Ach ja, zu deiner Frage damals: Martin liest deine Blogs auch.
    Viel Spaß noch, genieße die Zeit.
    Liebe Grüße
    Leila

  3. hallo peter,
    jeepppppppy, geschafft!!!!! was freuen wir uns mit dir!! das gefühl ist das gefühl der gefühle!! bin gespannt auf das video weil bis jetzt steht noch keines im netz.Bis bald…edi & sylvia

  4. Habe den Blog ebenfalls aufmerksam gelesen. Tolle Wanderung mit Suchtpotential. Gratulation!
    PS: Habe vorgestern ein älteres Ehepaar aus der Gegend Freising (.de) getroffen die ebenfalls auf dem Jakobsweg sind. In Anbetracht der noch anstehenden Strecke, habe ich ihnen einen ca. 10km Umweg ausgeredet und eine andere lohnenswerte Sehenswürdigkeit direkt auf dem Weg nach Eggerstanden (Appenzell Innerroden) empfohlen.

  5. Peter Mayr

    Hallo OBerländer, Edi & Sylvia, Leila und Paco,

    danke für die netten Zeilen. Meine Reise ist noch nicht ganz zu Ende. Am Montag habe ich meinen letzten Eintrag geplant. Dann gehen 10 unglaubliche Wochen zu Ende. Ich werde diese Zeit nie vergessen - eine wahre Lebenserfahrung geht zu Ende - oder vielleicht beginnt sie gerade?
    Der Jakobsweg ist und bleibt ein Lebensweg…

    Schöne Grüße
    Peter

  6. Astrid aus Zell am See !

    Hallo Peter !
    Auch ich möchte mich bedanken ,für deine Blogeintragungen,die
    ich mit einer gewissen Spannung gelesen habe,bei dir kommt deine
    Begeisterung ,für deinen Jakobsweg ,und Lebensweg ,so richtig Lebensbejahend rüber! Wünsche dir noch alles Gute ,für deine Füsse eine Erholungfase!Alles Liebe aus Zell am See!

  7. Beate

    Lieber Peter, nach Kalifornien der erste Einstieg ins Netz , um deine Eintragungen zu lesen. Ich freue mich mit dir über deine Erlebnisse, Erfahrungen und Einsichten.
    Fürs “Nach Hause Kommen” und das wieder “Sesshaft sein” viele gute Wünsche, einen Schatz hast du wohl für immer mitgenommen, auf den du zurückgreifen kannst.

    Mit lieben Grüßen, Beate!

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