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Nach dem Weg ist vor dem Weg!

03.09.2012 | 4 Kommentare

28.8.2012
Den gestrigen Ruhetag konnte ich wunderbar genießen. Gemütliches Frühstücken um 8:00 Uhr, danach ein kleiner Spaziergang im Dorf entlang des Hafens. Um 15:00 Uhr bekam ich Besuch. Yolanda, die Spanierin aus Bern besuchte mich gemeinsam mit ihrem Freund. Die Familie von Yolanda lebt gleich in der Nähe von Finisterre, in La Coruna. Die Wiedersehensfreude war groß, wir gingen in die Piratenbar zum Essen und tauschten natürlich unsere Jakobsweggeschichten aus. Am Abend kam wieder kräftiger Regen, hoffentlich ist das Wetter morgen umso besser. 
Heute um 11:00 Uhr starteten Vanessa, Stefan und ich unseren Camino inglese – also den englischen Weg. Die Jakobswallfahrt hatte immer schon großes Ansehen im mittelalterlichen Europa. Skandinavier, Engländer, Schotten und Iren wählten großteils den Seeweg, um nach Ferrol oder A Coruna zu gelangen. Beide Städte sind Ausgangspunkte des englischen Weges. Von A Coruna sind es 80 Kilometer, von Ferrol 120 Kilometer bis Santiago. Wir wählten als Ausgangspunkt Ferrol. In fünf Tagen, also am Samstag, wollen wir wieder in Santiago sein. Die heutige Etappe war kurz, nur 13 Kilometer lang. Der Weg war sehr gut gekennzeichnet und ging immer wieder am Strand oder an Häfen entlang. Kurz vor Neda passierten wir eine Gehzeitenmühle. Das absolute Highlight des Tages war aber sicherlich unser Mittagessen bei Mc Donalds. Nach 65 Tagen wunderbarer französischer und spanischer Küche eine willkommene Abwechslung. Um 14:30 Uhr erreichten wir die Herberge in Neda, die schön am Fluss Xubia liegt.

Ferrol – Ausgangspunkt des Camino inglese


Entlang der Promenade


Eine willkommene Abwechslung


Kurz vor Neda

29.8.2012
Heute stand ich bereits um 2:00 Uhr auf, aber nicht um meine heutige Etappe zu beginnen. Nein, Bauchkrämpfe zwangen mich auf die Toilette. Ich sollte diesen „Raum“ für die nächsten drei Stunden nicht mehr verlassen. Stefan hatte ein ähnliches Problem bereits zwei Tage zuvor am Ruhetag in Finisterre, nur war es bei ihm nicht so heftig. Um 6:30 Uhr ging bei Stefan der Wecker ab, auch er fühlte sich matt. Bei mir war sowieso klar – an Gehen war nicht zu denken. Durch den Flüssigkeitsverlust war ich absolut schwach auf den Beinen, zweitens musste ich immer wieder noch unverhofft die Toilette aufsuchen. So beschlossen wir heute nicht zu gehen, sondern mit dem Taxi zur nächsten Herberge zu fahren und dort abzuwarten wie sich vor allem mein Gesundheitszustand entwickelt. Um 10:00 Uhr lagen wir bereits wieder in den Betten in der Herberge von Mino. Leider ging es mir den ganzen Tag nicht wirklich besser. Vanessa besorgte mir in der Apotheke Medizin. Ich fällte am späteren Nachmittag eine wichtige Entscheidung für mich. Ich beende hier meinen Camino. Diese Entscheidung fiel mir ganz leicht, ohne auch nur ein kleines bisschen Wehmut. Natürlich wäre ich gerne den Camino inglese gegangen, aber meine Gesundheit ist mir wichtiger. Ich bin überglücklich, dass ich diesen langen Weg von Le Puy über Pamplona, Irun nach Santiago, weiter nach Finisterre und Muxia gehen durfte – und das ohne gröberer Probleme. Ich habe viele Pilger gesehen, die etwa wegen Knie- oder Sehnenproblemen den Weg beenden mussten.

Eine traumhafte Zeit
In Summe durfte ich circa 1.900 Kilometer und 35.000 Höhenmeter erpilgern, hatte eine traumhafte Zeit, auch das Wetter spielte immer mit. Ich bin nur dankbar! Ich teilte meinen Entschluss Vanessa und Stefan mit, beide verstanden mich sofort. Anschließend machte ich noch was: Ich schaute nach einem neuen Heimflug, ich will meine Bruni überraschen. Normalerwiese würde mein Flieger am Dienstag Abend nach München gehen. Dort wollte mich Bruni zusammen mit meinen Neffen Marcel und Jonas abholen . Und wieder hatte ich Glück. Wenn ihr, liebe Leserinnen und Leser, diese Zeilen lest, bin ich schon zu Hause. Ich fliege am Freitag um 18:00 Uhr nach Hause. Mit meinem Schwager habe ich vereinbart, dass er mich am Bahnhof in St. Margarethen abholt. Ich freue mich schon auf meine Rückkehr, vor allem auf meine Bruni, die wird Augen machen. Morgen werde ich nach Santiago fahren, ich freu mich.

30.8.2012
Um 9:00 Uhr war ich zurück in der wundervollen Stadt Santiago de Compostela. Ich konnte sofort ein Zimmer in der Pension beziehen, in der ich schon zuvor war. Es ging mir heute schon etwas besser, ich merkte aber, richtig entschieden zu haben. Mein Körper spürt noch die Strapazen von gestern, denn ich bin schon sehr geschwächt. Den Vormittag verbrachte ich liegend, das ist momentan das Beste für mich. Am Nachmittag kaufte ich mir neue Jeans und ein T-shirt, ich habe jetzt mit dem Pilgern abgeschlossen. Ich brauchte das neue Gewand aber auch, ich habe auf dem Weg doch etwas abgespeckt. 13 Kilogramm habe ich circa abgenommen. Neu eingekleidet ging ich in die Kathedrale, rauf zum heiligen Jakobus. Ich wollte mich noch für die schöne Pilgerreise bedanken.
Was waren das für Wochen. Von Le Puy nach Saint Jean Pied de Port, die Via Podiensis, Zeit gemeinsam mit meiner Mutter. Danach drei Tage auf meinem geliebten Camino Francese nach Pamplon, die tolle Zeit mit Julia, Janine, Rasmus, Tobias und La Donna. Natürlich war der Küstenweg ein weiterer Höhepunkt. Dieser Weg hat sicherlich meine Erwartungen übertroffen. Entlang menschenleerer Strände zu pilgern ist schon einzigartig. Danke an dieser Stelle an meine Pilgerfreunde Antonia, Vanessa und Stefan, aber auch meinen neuen Pilgerfreunden Yolanda, Lukas und Vincenz. Lukas, danke für deine tolle Führungsarbeit! Ich habe es absolut genießen können, mal abzuschalten und mich nicht kümmern zu müssen, den richtigen Weg zu finden!
Und zu guter Letzt, der Weg zum „Ende der Welt“. Auch wenn ich diesen Streckenteil nun schon das dritte Mal gegangen bin, er ist immer wieder schön. Danke Zita für deine Begleitung an diesem stürmischen Tag. Ich möchte mich aber an dieser Stelle auch bei allen anderen Pilgern und Pilgerinnen bedanken, die ich jetzt nicht namentlich erwähnt habe. Danke für die tolle Zeit mit euch!

Einfach wunderschön


Die hl. Pforte – heuer verschlossen


Ein letztes Dankeschön an den hl. Jakobus


La Vuelta, die Spanienrundfahrt, zu Gast in Santiago


Wieder zuhause!

Nach dem Weg ist vor dem Weg
Nach 2010, 2011 und 2012 werde ich nächstes Jahr einmal eine Pause einlegen. Hinter 2014 steht noch ein Fragezeichen, 2015 möchte ich von der Haustür aus zum zweiten großen Pilgerziel Rom aufbrechen.
Liebe Leserinnen und Leser, DANKE nochmals für Eure Begleitung am Weg, für die vielen netten Kommentare und E-Mails.

Buen Camino,

Peter

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4 Kommentare

  1. christian loretz

    Olá Peter,

    schön war es dich auf dem Jakobsweg ein wenig mitzuerleben.Ich wünsche dir weiterhin einen ” BOUEN CAMINO”.

    Herzliche Grüsse aus Brasilien, Christian

  2. hallo peter,
    das war absolut die richtige entscheidung.schön dass du wieder wohlbehalten zu hause angekommen bist.hat sehr gut getan den weg in gedanken geistig mitzupilgern.lg edi & sylvia

  3. Peter Mayr

    Hallo Sylvia & Edi!
    Danke für eure Willkommensgrüße. Mittlerweile geht es mir wieder absolut gut. Ich möchte mich auch für Eure Begleitung bedanken, habe mich jedes Mal gefreut.

    Lg Peter

  4. Peter Mayr

    Hallo Christian!
    Es freut mich natürlich besonders, auch Leser in so fernen Ländern “erreicht” zu haben. Danke für Deine Begleitung auf meinem Weg.

    Peter

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